Byzantinische Amphoren aus Ephesos

Ephesos blieb auch während der byzantinischen Zeit in ein mediterranes Handelsnetzwerk eingebunden, das es erlaubte, landwirtschaftliche Güter in eigens dafür hergestellten Behältnissen, meist Amphoren, über weite Strecken in die Stadt zu transportieren, aber auch die Produkte der Region zu verbreiten. Archäologisch-naturwissenschaftliche Analysen dieser Amphoren führen nicht nur zu einer exakten Herkunftsbestimmung, sondern ermöglichen auch Rückschlüsse auf den ursprünglich in ihnen verhandelten Inhalt. 

Ephesos, spätantike Amphoren (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Amphoren als Quelle für Handel, Konsum und Landwirtschaft


Amphoren stellen in der Archäologie eine wichtige Quelle für die Rekonstruktion von Handelsbeziehungen, landwirtschaftlicher Produktion sowie für Konsumgewohnheiten dar. Sie waren Behältnisse für verschiedene Güter, speziell für Wein, Öl, Fischprodukte und Früchte, darunter Datteln und Oliven. Über weite Strecken verhandelt, erlauben sie die Rekonstruktion von Wirtschaftsnetzwerken, geben aber auch entscheidende Informationen über den regionalen Pflanzenbau und in vermindertem Maß auch die Tierhaltung, insbesondere die Fischzucht. Letztendlich sind sie auch ein Indikator für Wohlstand und kulturelle Identität der Konsumenten.

Handelsmetropole Ephesos


Ephesos bietet hervorragende Grundlagen für eine Analyse von Amphoren, handelt es sich doch um eine der größten antiken Städte mit einem funktionierenden Hafen, der als Drehscheibe für Waren aus dem gesamten Mittelmeerraum sowie dem anatolischen Hinterland diente. Die Region um Ephesos galt allerdings bereits in der römischen Kaiserzeit als wichtiger Lieferant von Wein, nämlich einer speziellen asiatischen Sorte, die in eigens dafür hergestellten Amphoren – den Late Roman Amphorae (LRA) 3 – verpackt wurden. In der Spätantike gab es allerdings auch in der Stadt, einem bedeutendem Verwaltungssitz und Wallfahrtsort, großen Bedarf an Wein, Öl, Früchten und Fischprodukten, die aus unterschiedlichen Regionen importiert wurden.

Konsumverhalten


Ephesos, byzantinische Amphore aus dem spätantik-mittelalterlichen Stadtquartier südlich der Marienkirche (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Ziel der Untersuchung ist eine Auswertung der Amphorenfunde byzantinischer Zeit in Ephesos in Hinblick auf Fragen nach dem Konsumverhalten unterschiedlicher sozialer Klassen sowie dem Handelsnetzwerk der Stadt vor dem Hintergrund großer gesellschaftlicher Veränderungen im Verlauf der byzantinischen Zeit. Ausgewählt wurden Amphoren aus vier Fundstellen unterschiedlicher Funktion, anhand derer untersucht werden soll, ob sich Orte administrativer, gewerblicher, sakraler oder auch privater Nutzung durch ein spezifisches Konsumverhalten auszeichnen. 

Eine weitere Fragestellung betrifft Veränderungen im Handelsnetzwerk, hervorgerufen etwa durch exogene Faktoren, wie beispielsweise den Verlust landwirtschaftlicher Produktionsregionen im Byzantinischen Reich, oder aber durch bestimmte Transformationsprozesse. Auch die Versorgungssituation von Ephesos – sei es durch die eigene Produktion oder durch Importe – soll vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umbrüche diskutiert werden.

Handel in den ›Dark Ages


Besonderes Augenmerk liegt auf den Zerstörungen des 7. Jhs., die eine siedlungsgeschichtliche Zäsur einleiteten, und der darauffolgenden mittelbyzantinischen Zeit. Dabei handelt es sich um eine Epoche, die wegen der spärlichen Quellen auch als ›Dark Ages‹ bezeichnet wird. Neue Forschungsergebnisse belegen für Ephesos trotz des deutlichen Bevölkerungsrückgangs ein Siedlungskontinuum sowie ein weiterhin funktionierendes System von Hafen, Stadt und Hinterland. Auch die landwirtschaftliche Produktion im Umland von Ephesos scheint ungebrochen und die Versorgung der Stadt gewährleistet. Allerdings wurde der Wein nicht mehr in den traditionellen LRA-3-Amphoren verhandelt, vielmehr übernahm man in Ephesos bereits im Verlauf des 7. Jhs. eine im byzantinischen Herrschaftsgebiet und darüber hinaus verbreitete standardisierte Gefäßform, die sog. Byzantine globular amphora. Dies geschah unter dem Druck der Wettbewerbsfähigkeit, aber auch im Zuge genereller Standardisierungstendenzen.

Ephesos, Keramikmaterial in der Taberne an der Kuretenstraße (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Methodenvielfalt


Die Klassifizierung der byzantinischen Amphoren erfolgt sowohl formtypologisch als auch petrografisch, wobei neben der Dünnschliffanalyse auch die Bestimmung der Schwermineralien angewendet wird. Rückstandsanalysen ergänzen das Methodenspektrum. Ferner erfolgt eine epigrafische Auswertung der Dipinti und Graffiti sowie der Stempel.