Keramik des Mittleren Reiches aus Assuan

Seit 2000 führt das Schweizerische Institut für ägyptische Bauforschung und Altertumskunde in Kooperation mit dem Ägyptischen Antikenministerium das Pionierprojekt »Stadtarchäologie in Assuan« durch. Die Arbeiten zeigten, dass Assuan bereits im Mittleren Reich ein wichtiger Fundplatz war. Die Analyse der Keramik bestätigt eine feste Besiedelung dieses Fundplatzes während des Späten Mittleren Reiches.

Assuan, Haus in Areal 45 (Foto: Schweizerisches Institut für ägyptische Bauforschung und Altertumskunde/W. Müller)

Pionierprojekt »Stadtarchäologie in Assuan«


Die Zielsetzung des Projekts ist es, ›Stadtarchäologie‹ zu begründen, einen Zweig der Archäologie, der in West- und Mitteleuropa gut etabliert, in Ägypten bis auf wenige Ausnahmen allerdings kaum vertreten ist. Über die letzten 16 Jahre fanden bisher insgesamt 93 Grabungen statt, die überwiegende Anzahl (89) Notgrabungen, wodurch die Geschichte Assuans, eine der wichtigsten Städte des Alten Ägyptens, zunehmend erhellt wurde. Der Fundort war bereits seit der Vorgeschichte bis in die islamische Periode besiedelt.

Überblicksplan der Fundplätze des Mittleren Reiches in Assuan (Plan: Schweizerisches Institut für ägyptische Bauforschung und Altertumskunde/W. Müller)

Fundplätze des Mittleren Reiches


Bis vor Kurzem war das pharaonische Assuan praktisch unbekannt. Erste Schichten des Mittleren Reiches wurden in Areal 18 festgestellt, Untersuchungen in Areal 23 brachten Installationen für den Granitabbau und -transport zutage. In den Arealen 72, 73 und 74 fanden sich Vorrichtungen für Steinbruchtätigkeit. Von großer Bedeutung für das Verständnis der Siedlungstätigkeit im Mittleren Reich sind die Areale 45 und 58, wo domestische Strukturen in Zusammenhang mit Werkstätten und Bäckereien festgestellt werden konnten.

Keramik des Mittleren Reiches


Die Keramik des Mittleren Reiches in Assuan datiert in das Spätere Mittlere Reich, wobei zwei Subphasen erkennbar sind: die späte 12.  und die frühe 13. Dynastie. Das Repertoire besteht aus den für diese Zeit typischen Formen wie Näpfen, Schalen, Ringständern und Vorratsgefäßen. Importe aus Unterägypten wie Kochtöpfe aus Nilton E und Vasen aus Mergel C-und aus Zire sind anzutreffen. Die Klassifizierung der Tonsorten fällt in das ›Vienna-System‹, der vorherrschende Ton ist der lokale Nilton (Nilton B, C und E), daneben kommen oberägyptischer (Mergel A) und unterägyptischer Mergelton (Mergel C) vor. Der lokale Nilton enthält auffallend viele vulkanische Partikel.

Nubische Keramik


Assuan, nubische Keramik (Foto: Schweizerisches Institut für ägyptische Bauforschung und Altertumskunde/A. Krause)

Die nubische Keramik ist die größte nichtägyptische Gruppe der Keramik des Mittleren Reiches in Assuan und ein wichtiger Bestandteil der materiellen Kultur in dieser Region. Das Repertoire variiert von sehr feinen bis zu groben Gefäßen, wobei die offenen Gefäßformen deutlich überwiegen. Im Gegensatz zu dem nahe gelegenen Fundplatz Elephantine findet sich diese Keramik in Assuan nicht vor der 13. Dynastie.