Argilos: Prä- und frühkoloniale Keramik

Die in der Nordägäis produzierte prä- und frühkoloniale Keramik von Argilos

Interessante Aspekte der kulturellen Identität der einheimischen präkolonialen sowie auch der frühkolonialen Gemeinde von Argilos, das im 7. Jh. v. Chr. von der kykladischen Insel Andros besiedelt wurde, spiegeln sich im früheisenzeitlichen und früharchaischen lokal produzierten Trink- und Kochgeschirr der Siedlung am Strymonischen Golf in Makedonien wider.

 

Kochen nach verschiedenen Rezepten 


In der früheren Phase der Früheisenzeit wird Kochgeschirr verwendet, das sowohl vom Balkan als auch aus der Südägäis bekannt ist. Die Bewohner der prä- und vielleicht auch frühkolonialen Siedlung kochten also sowohl nach Rezepten vom Balkan als auch nach solchen aus dem ägäischen Raum, wie einige sehr charakteristische Gefäßtypen, etwa die aus dem Norden stammenden Pyraunoi und die besser aus der Ägäis bekannten Dreifußpfannen, bezeugen. Diese Variabilität im Kochgeschirr, die sich sonst nur an wenigen Fundorten der Nordägäis feststellen lässt, deutet auf die kulturelle Komplexität der Siedlung noch vor der Zeit der Kolonisation.

Ägäische Trinksitten


Schon vor Ankunft der ersten Griechen von den Kykladen wurde auch eine sehr spezielle Hybrid-Keramikware (K-22) von Trinkgefäßen in Argilos verwendet. Bei ihr handelt es sich um eine geometrische Keramik, die mit einer Hybridtechnologie produziert wurde, und deren Typen teils ägäischen und teils balkanischen Ursprungs waren. Die Verwendung dieser Keramik in Argilos macht diese Siedlung zu einem Teil eines komplexen kulturellen Netzwerks, das sich in der Nordägäis und im Zentralbalkanraum erstreckte. Da die Trinkgefäße dieser Ware eine homogene Keramikgruppe zentralägäischer Inspiration sind, spricht ihre Verwendung für die Adaption neuer Trinksitten in Nordgriechenland.

Von der thrakischen Siedlung zur griechischen Kolonie


Projektziel ist die analytische Untersuchung der geometrischen und frühen archaischen Keramik (verschiedene handgemachte, K-22- und G2-3-Waren) aus einer modern ausgegrabenen Kolonie in der Nordägäis im Rahmen der Endpublikation der bisherigen Grabungsergebnisse. Feldforschung und Koordinierung des Publikationsprojekts von Argilos passieren unter der Leitung von Zisis Bonias (Kulturministerium Griechenlands) und Jacques Perreault (Universität Montreal). Die Untersuchung des Materials aus der Zeit vor und kurz nach der griechischen Kolonisation kann die kulturelle Vielfalt einer sozial gemischten Gemeinde beleuchten und die Veränderung lokaler kultureller Identitäten hinsichtlich des Kolonisierungsprozesses verstehen lassen.