Neolithische Funde aus dem Grabungsbereich ›Solon‹ in Aigeira

Unmittelbar unterhalb der Akropolis von Aigeira wurden bei den Ausgrabungen im Flurbereich ›Solon‹ zwischen 2007 und 2010 große Mengen an neolithischer und chalkolithischer Keramik gefunden, die die bisherige Kenntnis zur frühesten Besiedlung Aigeiras vollkommen verändert. Ziel ist die abschließende Veröffentlichung der prähistorischen Funde aus dem Flurbereich ›Solon‹.

Aigeira, Blick von der Akropolis auf den Grabungsbereich ›Solon‹ (Foto: ÖAW-ÖAI/G. Ladstät-ter)

Fundumstände und Fundort


Die zahlreichen Funde von Keramik aus dem späten Mittelneolithikum, dem Spätneolithikum und dem Chalkolithikum waren außergewöhnlich, als sie vollkommen unerwartet bei den Ausgrabungen im Fundamentbereich eines öffentlichen hellenistischen Gebäudes im Grabungsbereich ›Solon‹ zutage kamen. Das Areal mit dem Flurnamen ›Solon‹ liegt unmittelbar unterhalb der steil ansteigenden Akropolis auf einer Terrasse, die bis in das frühere 20. Jh. landwirtschaftlich genutzt wurde. Vereinzelte mittel- und spätneolithische Funde wurden auch bei den jüngsten Grabungen im Bereich des ›Sattels‹ gefunden.

Die prähistorische Keramik von ›Solon‹ stammt aus einer harten und homogenen, von Norden nach Süden zur Akropolis hin ansteigenden Schicht, die unmittelbar über dem natürlichen Boden und unter den Fundamenten des hellenistischen Gebäudes liegt. Die aufgrund der Lagerung stark mit Erde und Sinter verkrusteten Funde benötigen daher vor ihrer Bearbeitung eine aufwendige Reinigung. 2014 wurde mit der systematischen Sichtung der prähistorischen Kontexte und Aufnahme der Funde begonnen. Fußbodenhorizonte oder architektonische Reste, die mit den Keramikfunden in Verbindung gebracht werden können, fehlen bislang, und es ist nicht ausgeschlossen, dass die prähistorischen Funde sekundär verlagert sind. Für diese Annahme sprechen nach dem gegenwärtigen Stand auch die oft stark zerscherbten Fragmente, die geringe Zahl der bislang festgestellten Anpassungen und die relative hohe Mindestindividuenzahl pro stratigrafischer Einheit.

Gefäßspektrum


Bei der prähistorischen Keramik handelt es sich überwiegend um offene Gefäße auf hohem konischen Fuß, die meist vollständig bemalt oder mit einfachen geometrischen Mustern in matter und dunkler Farbe auf dunklem Untergrund musterverziert sind. Ein weiterer, kleiner Teil der bislang gesichteten Funde ist chalkolithisch und unterscheidet sich von der älteren mittel- und spätneolithischen Keramik durch ein anderes, deutlich gröberes Fabrikat sowie durch andere Gefäßformen, insbesondere eimerartige geschlossene Gefäße mit plastischer Verzierung.

Aigeira, Grabung ›Solon‹. Spätmittelneolithische Keramik (Foto: ÖAW-ÖAI/W. Gauß, digitale Nachbearbeitung: R. Smetana)
Aigeira, Grabung ›Solon‹. Spätmittelneolithische Keramik (Foto: ÖAW-ÖAI/W. Gauß, digitale Nachbearbeitung: R. Smetana)
Aigeira, Grabung ›Solon‹. Chalkolithische Keramik (Foto: ÖAW-ÖAI/W. Gauß, digitale Nach-bearbeitung: R. Smetana)
Aigeira, Grabung ›Solon‹. Chalkolithische Keramik (Foto: ÖAW-ÖAI/W. Gauß, digitale Nach-bearbeitung: R. Smetana)

Datierung


Die neuentdeckten prähistorischen Funde von ›Solon‹ sind deutlich älter als die überwiegend chalkolithischen von der Akropolis, wodurch sich auch die Geschichte der frühesten Besiedlung Aigeiras maßgeblich verändert und nun bis in die Mitte des 6. Jts. v. Chr. zurückreicht.