Früheisenzeitliche und früharchaische Keramik von der Akropolis und dem sog. Sattel in Aigeira

Das Projekt umfasst die Bearbeitung und die Publikation der früheisenzeitlichen und früharchaischen Keramik. Das Material gibt wichtige Aufschlüsse zur Datierung der Wiederbesiedlung Aigeiras in der Frühen Eisenzeit, zu Aigeiras auswärtigen Beziehungen, zur Nutzung der Akropolis von Aigeira und zur Kultpraxis.

Grundlage für alle Schlussfolgerungen ist die vollständige fotografische und zeichnerische Dokumentation der relevanten Keramikfunde und ihre Erfassung in einem detailliert beschreibenden Katalog. Berücksichtigt werden sowohl die Funde der seit 2011 durchgeführten Grabungen im Bereich des ›Sattels‹ als auch die Funde von der Akropolis, die bei den Ausgrabungen der 1970er und 1980er Jahre unter der Leitung von W. Alzinger getätigt wurden. 

Aigeira nach dem Ende der Bronzezeit: Siedlungskontinuität oder Hiat?


Eines der Ziele der 2011 begonnenen neuen Grabungen auf dem ›Sattel‹ und an den Abhängen der Akropolis war die mögliche Lösung der Frage, was in Aigeira nach dem Ende der mykenischen Siedlung in den Jahren um 1100 v. Chr. geschehen war. Diese Frage kann nur durch eine Analyse der zur Verfügung stehenden relevanten Keramik beantwortet werden – bislang konnten noch keine Fragmente submykenischer, protogeometrischer und frühgeometrischer Zeit nachgewiesen werden. Eine wenige Stücke – darunter ein weitgehend vollständig erhaltener Skyphos – sind wahrscheinlich als mittelgeometrisch zu klassifizieren und kurz vor der Mitte des 8. Jhs. v. Chr. zu datieren. Bei dem gegenwärtigen Bearbeitungsstand ist daher zu vermuten, dass Aigeira im frühen 1. Jts. v. Chr. nicht besiedelt war. 

Die Wiederbesiedlung Aigeiras und die korinthische Expansion


Keramik der zweiten Hälfte des 8. Jhs. v. Chr. ist in dem Fundspektrum gut bezeugt. Bei der großen Masse der Feinkeramik dieser Zeit handelt es sich um korinthische Importe. Dies gilt unverändert auch für das gesamte 7. und die erste Hälfte des 6. Jhs. Es lässt sich daher vermuten, dass die erneute Nutzung Aigeiras im mittleren 8. Jh. v. Chr. in einem Zusammenhang mit der etwa zu diesem Zeitpunkt einsetzenden Westexpansion Korinths stand, die durch eine starke Zunahme korinthischer Keramik in vielen Fundorten entlang des Korinthischen Golfs, auf den Ionischen Inseln, in Süditalien und auf Sizilien bezeugt ist. Die Akropolis von Aigeira ist von Weitem sichtbar und könnte daher als Landmarke für korinthische Seefahrer gedient haben. Auch die Lage gegenüber dem Golf von Itea könnte zu der erneuten Besiedlung Aigeiras beigetragen haben, denn zahlreiche Funde belegen enge Kontakte zwischen Delphi und Korinth seit dem 8. Jh. v. Chr.

Siedlung oder Heiligtum?


Seit den Grabungen der 1970er Jahre ist bekannt, dass sich auf der Akropolis von Aigeira in geometrischer und archaischer Zeit ein Heiligtum befand. Durch die neuen Grabungen konnten keine Hinweise auf eine Wohnbebauung dieses Zeitraums auf dem ›Sattel‹ erbracht werden. Sämtliche Keramikfunde von den Hängen der Akropolis und dem ›Sattel‹ sind als Versturz von der Akropolis und damit als ursprünglich zum Heiligtum gehöriges Material zu betrachten. Die Suche nach der spätgeometrischen und archaischen Siedlung Aigeiras bleibt somit eine Aufgabe zukünftiger Forschung. Die im Fundspektrum vertretenen Gefäßformen lassen gewisse Rückschlüsse auf die Kultpraxis des Akropolis-Heiligtums zu. Es fällt auf, dass Kratere seit geometrischer Zeit und die gesamte archaische Epoche hindurch gut bezeugt sind, somit Weinkonsum bei den kultischen Feierlichkeiten auf der Akropolis eine nicht unwichtige Rolle gespielt zu haben scheint. Zudem wurden seltene Gefäßtypen nachgewiesen, die speziell für den Kultbetrieb angefertigt worden sein könnten, wie etwa eine fragmentarisch erhaltene frühprotokorinthische Riesenkotyle.