Mit der Herkunft provinzialrömischer Farbpigmente untersucht dieses Projekt den Wissenstransfer, kulturellen Austausch sowie politischen und ökonomischen Wandel in Norikum. Archäometrie kombiniert mit Polychromieforschung kann zeigen, wie nicht nur Güter, sondern auch Wissen in früheren Kulturen ›ausgetauscht‹ wurden. Dies ist relevant für die Erforschung kulturellen Erbes wie auch für das Verständnis antiker ökonomischer Dynamiken, Technologie und Kunst.

Projektinhalt ist zu untersuchen, ob antike Farbpigmente auf verschiedene Formen von (Aus-)Tausch und sozioökonomischen Wandel hinweisen können: Kann die wissenschaftlich analysierte, archäologisch und historisch kontextualisierte Information über Rohstoffherkunft und Produktionsprozesse antiker Farbpigmente Indizien auf bevorzugte Handelsbeziehungen, Technologie und Organisation der Produktion wie auch Wissenstransfer und kulturellen Austausch liefern? Dafür werden in einem multidisziplinären Ansatz sowohl die Herkunft der Rohstoffe als auch die Qualität antiker Pigmente (hier besonders Zinnoberrot- und Ägyptischblaupigmente) analysiert. Die Spurenelemente und Isotopenzusammensetzung der Pigmente wird Rückschlüsse auf die verwendeten Rohmaterialien und deren Herkunft erlauben.

Norikum, das nach römischer Provinzwerdung großen Veränderungen unterlag, war ein Gebiet mit reichen Rohstoffressourcen und somit der Möglichkeit, Pigmente lokal herzustellen. Die Materialanalysen der Zinnober- und Ägyptischblaupigmente aus der römischen Kaiserzeit und der Spätantike werden in diesem Kontext des kulturellen, politischen und ökonomischen Wandels in Norikum betrachtet.