Amphoren sind eine wichtige Quelle für die Rekonstruktion von Handelsbeziehungen, landwirtschaftlicher Produktion und Konsumgewohnheiten. Sie waren Behältnisse für verschiedene Güter, speziell für Wein, Öl, Fischprodukte und Früchte, darunter Datteln und Oliven. Über weite Strecken verhandelt, erlauben sie die Rekonstruktion von Wirtschaftsnetzwerken, geben aber auch entscheidende Informationen über den regionalen Pflanzenbau und in vermindertem Maß auch die Tierhaltung, insbesondere die Fischzucht. Letztendlich sind sie auch ein Indikator für Wohlstand und kulturelle Identität der Konsumenten.

Byzantinische Amphoren aus Ephesos

Ephesos blieb während der byzantinischen Zeit in ein mediterranes Handelsnetzwerk eingebunden, das es erlaubte, landwirtschaftliche Güter in eigens dafür hergestellten Behältnissen, meist Amphoren, über weite Strecken in die Stadt zu transportieren, aber auch die Produkte der Region zu verbreiten.

Ziel der Untersuchung ist eine Auswertung der Amphorenfunde byzantinischer Zeit in Ephesos in Hinblick auf Fragen nach dem Konsumverhalten unterschiedlicher sozialer Klassen sowie dem Handelsnetzwerk der Stadt vor dem Hintergrund großer gesellschaftlicher Veränderungen im Verlauf der byzantinischen Zeit. Ausgewählt wurden Amphoren aus Fundstellen unterschiedlicher Funktion, anhand derer untersucht werden soll, ob sich ein spezifisches Konsumverhalten ablesen lässt.

Besonderes Augenmerk liegt auf den Zerstörungen des 7. Jahrhunderts. Neue Forschungsergebnisse belegen für Ephesos trotz des deutlichen Bevölkerungsrückgangs ein Siedlungskontinuum sowie ein weiterhin funktionierendes System von Hafen, Stadt und Hinterland. Auch die landwirtschaftliche Produktion im Umland von Ephesos scheint ungebrochen und die Versorgung der Stadt gewährleistet. Allerdings wurde der Wein nicht mehr in der traditionellen Late Roman Amphora 3 verhandelt, vielmehr übernahm man in Ephesos bereits im Verlauf des 7. Jahrhunderts neue standardisierte Gefäßformen, die im Zuge des Projekts analysiert werden.

Schiffswrack »Illes Formigues 2« (Palamós, Spanien)

Die Küste Nordostspaniens und Südfrankreichs ist eine der wichtigsten Regionen für die Unterwasserarchäologie des Mittelmeers. Im Rahmen einer Kooperation mit dem Centre d’Arqueologia Subaquàtica de Catalunya (CASC) werden seit 2018 die Amphoren eines Schiffswracks ausgewertet. Sie stammten ausnahmslos aus der Region Cádiz in Südspanien und dienten dem Transport von Produkten der fischverarbeitenden Betriebe.

Eine erste Begutachtung der Funde zeigte, dass das Schiff samt seiner Ladung vermutlich zwischen 20 und 10 v. Chr. gesunken war. Die vorläufige Beurteilung der Schiffskonstruktion lässt einen Bau in Italien vermuten. Die kombinierte Auswertung von Bautyp und Schiffsladung wird unter Berücksichtigung der Fundstelle einen Beitrag zur Rekonstruktion von Handelsbeziehungen und Handelsrouten in der frühesten römischen Kaiserzeit leisten. So war etwa der Ausgangshafen dieses mittelgroßen antiken Frachtschiffs wahrscheinlich Gades-Cádiz, der Zielhafen darf im heutigen Südfrankreich vermutet werden. Von dort aus dürften die Transportamphoren über eine der bekannten Flussrouten weiter nach Aquitanien oder in den Nordwesten des Imperium Romanum verschifft worden sein. Die keramischen Fundspektren frühaugusteischer Militäranlagen legen nahe, dass die Fracht des Schiffswracks »Illes Formigues 2« der Versorgung der am Rhein stationierten römischen Truppen dienen sollte.

 

Projektleitung

Horacio González Cesteros

 

Byzantinische Amphoren

Laufzeit

seit 2017

Finanzierung


Schiffswrack

Kooperationen

Laufzeit

seit 2019