Dieses Projekt untersucht die Einführung und Entwicklung der Ziegelherstellung in Noricum unter Aufsicht des römischen Militärhandwerks im 2.–3. Jahrhundert n. Chr. Dafür wird ein multidisziplinärer Ansatz gewählt, der materialwissenschaftliche Analysen mit archäologischen, historischen, epigrafischen und architektonischen Daten kombiniert.

Einführung und Verbreitung der Ziegeltechnologie in Noricum

Die Ziegeltechnologie ist ein charakteristisches Merkmal der römischen Architektur und verbreitete sich in den Provinzen mit unterschiedlichen Lösungen je nach den lokalen Bedürfnissen und territorialen Besonderheiten. In Noricum erhielt die Entwicklung von Ziegelbauten im 2. Jahrhundert einen Impuls, der hauptsächlich mit dem Militärhandwerk zusammenhing. Die Bedrohung durch die Germanen führte zur Aufstellung neuer Legionen, die zur Verteidigung der Grenzen stationiert wurden. Die Anwesenheit der Legionäre, die zunächst auch in Norditalien rekrutiert worden waren, bedingte politische, wirtschaftliche, produktive und architektonische Veränderungen, zu denen auch die weit verbreitete Verwendung von Ziegelgebäuden gehörte.

Ziele

Ziel dieses Projekts ist es, die direkten und indirekten Aspekte im Zusammenhang mit der Einführung und Entwicklung der Ziegelherstellung in Noricum zu untersuchen. Dazu zählen die Beschaffung und Verarbeitung von Rohstoffen, die Bewertung von Brennstrategien, die Qualität der Endprodukte in Abhängigkeit von Produktionsort, Verwendungszweck und zeitlicher Phase sowie die Identifizierung von Kontaktgewerben und der Transfer von technischem Wissen und Innovationen.

Methoden

Die Proben werden an den Militärstandorten Ločica, Albing und Lauriacum entnommen und in drei Schritten analysiert: (1) Auswertung archäologischer, historischer, epigrafischer und architektonischer Quellen; (2) petrografische, mineralogische, chemische und physikalisch-mechanische Charakterisierung; (3) geologische Untersuchungen zur Suche nach antiken Tongruben und Herstellung von Versuchsbriketts, deren Eigenschaften mit denen archäologischer Ziegel verglichen werden. Anhand desselben Protokolls werden Proben aus Aquileia untersucht, einem zentralen Knotenpunkt für den Handel zwischen den Alpen und der Adria, wo diese Bautechnik seit Langem etabliert war. Der Vergleich mit Aquileia wird als Referenz dienen, um zu überprüfen, inwieweit die Ziegelherstellung vom römischen Italien beeinflusst wurde.

 

Projektleitung

Team

Kooperationen

Laufzeit

01/2022–12/2023

Finanzierung

FWF- M-3172