Landschaftsarchäologische Untersuchungen an den Thermopylen der Peloponnes

Mithilfe geophysikalischer und geoarchäologischer Methoden gilt es, eine ›Schlüsselstelle‹ an der Westküste der Peloponnes zu erforschen, die zwischen der Lagune von Kaiafa, den dortigen Schwefelquellen und der Festung von Samikon liegt. Bei Kleidi befindet sich eine bronzezeitliche Siedlung, in deren unmittelbarer Umgebung auch ein berühmtes Heiligtum des Poseidon existiert haben muss, das Strabon erwähnt.

An der Westspitze des Lapithos-Gebirges, das in Ost-West-Richtung die Region Triphylien durchschneidet und hier bis an die Küste der westlichen Peloponnes heranreicht, liegt die Stätte von Kleidi unterhalb der klassisch-hellenistischen Festung beim heutigen Kato-Samikon. Es handelt sich um eine Gruppe von drei kleinen Hügeln in der Küstenebene, die das Gebiet der ehemaligen Lagune von Agoulinitsa bedeckt. Die Lagune wurde erst in den späten 1960er-Jahren trockengelegt, zuvor hatte sie bis dicht an die Hügelgruppe gereicht. Dies erklärt die namensgebende Position von Kleidi, das bis in die 1960er-Jahre den Weg durch die Sümpfe kontrollierte: Bis zur Entwässerung der Lagune verlief hier die einzige Nord-Süd-Verbindung auf festem Boden, parallel zu der am Beginn des 20. Jhs. errichteten Eisenbahntrasse. Die strategische Bedeutung und die warmen Schwefelquellen, die etwa 1,3 km südlich bei Kaiafa, aber auch an verschiedenen Stellen rund um die Hügelgruppe entspringen und noch heute für Heilbäder genutzt werden, begründeten die Charakterisierung der Landenge bei Kleidi als die ›Thermopylen der Peloponnes‹.

Forschungsgeschichte von Kleidi


Seit den Grabungen von Wilhelm Dörpfeld 1908 ist die Stätte von Kleidi als bronzezeitlicher Siedlungsplatz bekannt. Hier legte Dörpfeld vor allem Reste kyklopischer Mauern und bronzezeitliche Siedlungsspuren frei, die allerdings nie umfassend veröffentlicht wurden. 1954 unternahm Nikolas Yalouris Ausgrabungen nördlich des größten Hügels und publizierte einen als Tumulus bekannt gewordenen Grabbau, der Beisetzungen der gesamten mykenischen Epoche enthielt. Am Beginn der 1980er-Jahre führte Eleni Papakonstantinou ausgedehnte Grabungen auf dem Plateau des größten Hügels und an seiner Ostseite durch, wo sie eine Nekropole der ausgehenden Mittelbronzezeit und der Spätbronzezeit feststellen konnte. Zuletzt legten 2007 Panagiotis Moutzouridis und Kostas Nikolentzos Grabungsschnitte auf dem südöstlichen Abschnitt des Hügelplateaus an, wo sie auch mittel- und spätbronzezeitliche Siedlungsspuren antrafen. (Für die Auswertung der bronzezeitlichen Keramik im regionalen Kontext, s. Kakovatos und Triphylien im 2. Jahrtausend v. Chr.)

Aktuelle Forschungen in Kleidi


2017 widmete sich ein griechisch-österreichisches Kooperationsprojekt unter der Leitung von Erofili Kolia und Birgitta Eder der systematischen Vermessung des Geländes der Hügelgruppe von Kleidi mit dem Ziel, erstmalig einen Plan der Hügelgruppe mit ihrer Morphologie und den vorhandenen Bauresten herzustellen. 

In der Küstenebene von Kleidi-Samikon ist auch das Heiligtum des Poseidon bei Samikon zu vermuten, das bei Strabon (8, 3, 16) einen der wesentlichen Bezugspunkte in der Beschreibung Triphyliens mit der Angabe von Entfernungen nach Norden (Alpheios) und Süden (Lepreon) bildet. Der heilige Bezirk, dessen Charakter durch einen Hain wilder Olivenbäume geprägt wurde, soll das Zentrum einer Amphiktyonie der triphylischen Städte gebildet haben.

Das Projekt widmet sich daher der Erforschung der in mehrfacher Hinsicht als ›Schlüsselstelle‹ zu betrachtenden Stätte: Obwohl die ungefähre Lage zwischen der Lagune von Kaiafa, den dortigen Schwefelquellen und der Festung von Samikon in der Umgebung von Kleidi feststeht, wurde das Heiligtum des Poseidon bislang nicht gefunden. Die Geografie des gesamten Gebiets muss sich seit der Antike stark verändert haben, auch wenn die Ursachen bislang nicht völlig klar sind. Ebenso unbekannt ist, wie sich die geografische Situation in der Antike gestaltete, wo die Küstenlinie verlief und wo der von Strabon (8, 3, 17) erwähnte Ankerplatz lag. Die Rekonstruktion der antiken Landschaft ist für die archaische, klassische und hellenistische Periode ebenso interessant wie für die Bronzezeit, um die Position von Kleidi innerhalb der regionalen Topografie von Triphylien an einer Schlüsselstelle der peloponnesischen Westküste in einer diachronen Perspektive zu verstehen.

In diesem Sinne widmet sich das Projekt der Gewinnung archäologischer und geo-archäologischer Informationen in dieser Kleinregion für die Rekonstruktion der Paläoumwelt und der antiken Landschaft. Die Arbeiten werden in Kooperation zwischen dem Antikendienst Elis (E.-I. Kolia), dem ÖAI Athen (B. Eder) in Zusammenarbeit mit A. Vött und seinem Team des Geographischen Instituts der Universität Mainz durchgeführt.