Retrodigitalisierung des epigrafischen Archivs

Das epigrafische Archiv des ÖAI beherbergt Reproduktionen von nahezu 6.000 Inschriften, die bei Grabungen und Surveys unter der Leitung des ÖAI vor allem in der Türkei und im ehemaligen Jugoslawien aufgefunden wurden. Im Rahmen einer umfassenden Initiative wird dieser Bestand nun systematisch digitalisiert und katalogisiert.

Das Dokumentationsmaterial, das im epigrafischen Archiv des ÖAI aufbewahrt wird, ist seit der Institutsgründung Ende des 19. Jhs. beständig angewachsen – vor allem aufgrund der regen Grabungstätigkeit in Ephesos, die über die Jahre mehr als 5.000 Inschriften (mehrheitlich in griechischer Sprache) zutage gefördert hat.

Inschriftenreproduktionen und Skizzenbücher aus Ephesos


Dementsprechend entfällt das Gros an Inschriftenreproduktionen, die in Tausenden von Papier- und Latexabklatschen vorliegen, auf epigrafische Funde aus Ephesos. Diese bilden auch insofern einen Schwerpunkt, als in dem Archiv die Skizzenbuchblätter aufbewahrt werden, auf welchen die epigrafischen Neufunde aus Ephesos üblicherweise dokumentiert wurden und weiterhin werden. Auf einem Blatt sind der Fundort, die wichtigsten Maße und die Beschaffenheit sowie – anhand von Umzeichnungen – das Erscheinungsbild der Schriftfläche des jeweiligen Stücks festgehalten. Dank seiner langjährigen Forschungstätigkeit in dieser an Inschriften besonders reichen Fundstätte verfügt das ÖAI mit den Abklatschen und den Skizzenbüchern heute über den umfangreichsten Bestand epigrafischen Archivmaterials, der aber noch auf seine vollständige digitale Erschließung wartet.

Anknüpfend an ein Projekt, in dessen Rahmen die Skizzenbücher bis 1998 digitalisiert und katalogisiert wurden, soll dieser Datenbestand jetzt erweitert, aktualisiert und mit den digitalen Fotos der Abklatsche synchronisiert werden. Ergebnis wird eine Katalogdatenbank sein, die das Dokumentationsmaterial samt den entsprechenden Metadaten – etwa Angaben zu der Erst- oder Neuedition und etwaige Corpusnummern (IvE, McCabe), Fotos der Inschriften und Geodaten der Aufstellungs-/Auffindungsorte – enthält.

Verknüpfung mit bestehenden Systemen


Diese Initiative bezieht nicht nur die bereits publizierten epigrafischen Bestände, sondern auch das noch nicht publizierte Material ein, womit eine systematische und vor allem digitale Grundlage für weitere Corpusarbeiten und Editionsprojekte gelegt wird. Die Daten werden zudem in die ÖAI-Bilddatenbank integriert.

In weiterer Folge ist daran gedacht, die Datenbank mit der ephesischen GIS-Applikation zu verknüpfen und somit einen schnellen Überblick auf die Fundorte und einen Rückschluss über die Verbreitung der betreffenden Inschriften zu ermöglichen. Langfristiges Ziel ist, die epigrafische Datenbank des ÖAI online frei zugänglich zu machen