Waren, Typen und Fabrikate

Ein Beitrag aus Oberägypten zum Levantine Ceramics Project

Üblicherweise werden in archäologischen Publikationen die Daten nur in ausgewählter und interpretierter Form vorgelegt und entziehen sich so der Überprüfbarkeit und Reproduzierbarkeit. Die Veröffentlichung großer Datenmengen wäre in analoger Form weder finanzierbar noch zu bewältigen. Für Keramikfunde aus Oberägypten wird daher der Weg der Online-Publikation der Rohdaten über die »Levantine Ceramics Project«-Webseite gewählt.

Das Problem großer Datenmengen


In der Archäologie hat man es grundsätzlich mit einem hohem Fundaufkommen zu tun, das bei der wissenschaftlichen Analyse bewältigt werden muss. Dies trifft besonders auf Grabungen im Mittelmeerraum zu, wie jene in Syene und Elephantine in Oberägypten, wo im Rahmen eines FWF-Projekts (P23866-G18) insgesamt 321.221 Keramikfragmente dokumentiert wurden, von denen rund 16.000 als diagnostisch – also im Detail interpretierbar – eingestuft wurden. Die Zeitspanne umfasst die gesamte klassische Antike vom 6. Jh. v. Chr. bis in das 8. Jh. n. Chr., als die südlichste Grenzstadt des Römischen Reiches von den Arabern erobert wurde. Syene galt allerdings auch als ein bedeutendes Produktionszentrum von Gefäßkeramik, dessen Produkte im gesamtem Mittelmeerraum verhandelt wurden. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass bislang eine umfassende Vorlage dieser Materialgruppe fehlt. 

Zugänglichkeit, Überprüfbarkeit und Wiederverwendbarkeit


Derartige Fundmengen können in traditioneller Art und Weise nicht vollständig publiziert werden, eine selektive interpretative Auswahl zieht allerdings unwillkürlich einen Informationsverlust nach sich und verhindert zudem eine Weiterverwendung der Rohdaten. Hinzu kommt, dass gedruckte Publikationen nur einem kleinen Leserkreis vorbehalten sind, da sie sich ausschließlich in einschlägigen Bibliotheken finden. Gerade für die Scientific Community in Regionen wie Nordafrika und der Levante stellen frei zugängliche Online-Lösungen die einzige Möglichkeit dar, sich am wissenschaftlichen Diskurs zu beteiligen. Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet daher die Integration der Forschungsdaten in die »Levantine Ceramics Project«-Webseite an, einer internationalen, an der Universität Boston angesiedelten Initiative eines nachhaltigen Datenrepositoriums und innovativen Forschungsinstruments für Keramikdaten des östlichen Mittelmeerraums.