»Treasuring Maps« – Eine Autobiografie von Ephesos (TreMAE)

Das Projekt »Treasuring Maps. Eine Autobiografie von Ephesos (TreMAE)« beschäftigt sich mit der Bedeutung von Karten für die Archäologie, indem es untersucht, auf welche Art und Weise die Archäologie traditionellerweise Karten zur Visualisierung von Raum einsetzte. Anstatt Karten als messbare Wahrheiten zu sehen, geht TreMAE einen Schritt weiter, um die Erzählungen und Daten zu verstehen, die zur Entwicklung spezifischer kartografischer Traditionen führten. Anhand der Fallstudie von Ephesos wird TreMAE die Karten, die seit der Entdeckung der Fundstätte entstanden sind, auswerten, um nachzuvollziehen, wie sich die archäologische Ruinenlandschaft von Ephesos entwickelt hat, aber auch wie Konventionen zur Darstellung von Fundstätten in Karten die archäologische Forschung weiterhin beeinflussen.

TreMAE nutzt die Vorteile der aktuellen digitalen Methoden, um mit der großen Datenmenge, die durch das ÖAI zu Ephesos gesammelt worden sind, umgehen zu können. Das Projekt beinhaltet die Schaffung eines offen zugänglichen, kuratierten Corpus an Ephesos-Karten, die von den frühen topografischen Darstellungen des 17. Jhs. bis zu modernen Geoinformationssystemen reichen. Dies umfasst die Sammlung aller Karten, die Sammlung zusätzlicher Informationen zu jeder Karte, etwa Verfasser oder Produktionsjahr, und die Annotation von Toponymen auf den Karten mit dem Recogito tool von Pelagios Commons. In Zusammenarbeit mit dem Austrian Institute of Technology werden diese Annotationen zu einem Verzeichnis verarbeitet und mit Informationen angereichert, die aus den wichtigsten Publikationen zu Ephesos – die Digitalisierung erfolgt aktuell durch das CELSUS-Projekt – gewonnen werden. In dem Ortsverzeichnis wird mit Methoden experimentiert, wie man die für Städte charakteristischen dichten räumlichen Informationen verbinden und mit Ortsnamen in unterschiedlichen Schreibvarianten, alternativen Bezeichnungen sowie ihren englischen und türkischen Übersetzungen erweitern kann.

Zusätzlich zu Toponymen visualisieren Karten auch große Mengen an Informationen und stellen Beziehungen zwischen geo-räumlichen Einheiten dar. Aufbauend auf dem Ortsverzeichnis und dem bestehenden Ephesos-GIS wird die Research Division Cartography der TU Wien mit Möglichkeiten zur semantischen Modellierung von archäologischen Karteninhalten experimentieren, damit Informationen auch für computergestützte Analysen und Visualisierungen genutzt werden können. Ontologische Modelle (wie CIDOC-CRM, OGC, W3C, ISO) werden die Struktur für die Beschreibung von Karten liefern und damit die Interoperabilität mit anderen offenen geo-räumlichen Wissenssystemen gewährleisten.

Das Projekt wird die Grundlagen für das aktuelle Verständnis der ephesischen Landschaft neu bewerten und zugleich die Basis für neue räumliche Fragestellungen legen, indem Objekte, Publikationen und archäologische Dokumentation anhand ihres geo-räumlichen und zeitlichen Kontextes verlinkt werden. Zusätzlich stellt es den ersten Versuch dar, die verstreuten und heterogenen Daten aus Ephesos zu organisieren, um so die verschiedenen Archivbestände des ÖAI zu Ephesos digital zu verbinden und altes Wissen neu entdecken zu können.