DIE ENTWICKLUNG DES WIEDERAUFBAUS UND DER RESTAURIERUNG IN EPHESOS

In diesem Projekt wird die Bedeutung der Baudenkmalpflege im Rahmen der Transformation von Ephesos von einer natürlichen Ruinenlandschaft zu einem massentouristisch genutzten archäologischen Park erforscht. Die Fragestellungen sollen mithilfe objektbasierter Forschung, wie konservatorischer Bestands- und Zustandsaufnahmen und materialwissenschaftlicher Untersuchungen beantwortet werden.

Ansicht des Großen Theaters und der Arkadiane, 2013 (Foto: B. Rankl)
Ansicht des Großen Theaters und der Arkadiane, 2013 (Foto: B. Rankl)

Die Ruinenstätte Ephesos stellt ein außergewöhnliches Lehrstück für Entwicklung von Konservierung und Restaurierung sowie Wiedererrichtung antiker Denkmäler dar. Mit den 1950er Jahren begann neben der archäologischen Forschung die Präsentation und Vermittlung der Ruinenstätte an Bedeutung zu gewinnen, sodass eine Vielzahl von Monumenten wiederaufgebaut wurde. Vor allem entlang der Kuretenstraße, aber auch außerhalb des archäologischen Parks sind Dokumente dieser bauintensiven Zeit zu sehen. Neben konserviertem Bestand finden sich Anastylosen und Architekturcollagen, wobei sich die teils monumentalen Konstrukte in den angewendeten Methoden und Materialien sehr unterscheiden.

Bei der Aufarbeitung der Forschungsgeschichte von Ephesos lag der Fokus bisher auf den umfangreichen Grabungen. Weniger beachtet wurde hingegen die Disziplin der Konservierung und Restaurierung, sodass eine systematische und methodische Auseinandersetzung mit der Entwicklung der Baudenkmalpflege in Ephesos heute fehlt.

Wichtigste Methoden


Im Zentrum der konservierungswissenschaftlichen Erforschung steht immer das Objekt. Um eine quantitative und qualitative Analyse des Denkmalbestands vornehmen zu können, werden konservatorische Bestands- und Zustandsaufnahmen aller relevanten Objekte in Ephesos und Umgebung angefertigt. Die verwendeten Materialien der Alt-Restaurierungen und Wiedererrichtungen werden mithilfe materialwissenschaftlicher Untersuchungen entnommener Proben genauer charakterisiert.

Darüber hinaus sind im Rahmen der aktuellen Arbeit Interviews vorgesehen: Im Laufe der Forschungstätigkeit sollen ehemals und derzeit in Ephesos denkmalpflegerisch tätige Personen befragt werden. Auch der Einfluss internationaler Richtlinien, Trends und Individuen wird in das Zentrum der Erforschung gerückt.

Ansicht des Großen Theaters und der Arkadiane vor den Bautätigkeiten und Restaurierungen (Foto: ÖAW-ÖAI/Bilddatenbank)
Ansicht des Großen Theaters und der Arkadiane vor den Bautätigkeiten und Restaurierungen (Foto: ÖAW-ÖAI)
Aufstellung einer Architekturprobe am Bibliotheksplatz (Foto: ÖAW-ÖAI/Bilddatenbank)
Aufstellung einer Architekturprobe am Bibliotheksplatz (Foto: ÖAW-ÖAI)

Forschungsfragen


  • Wie entwickelten sich Konservierung und Restaurierung am Standort Ephesos bis heute?
  • Welche Entwicklungen in der Baudenkmalpflege sind maßgebend für das heutige Erscheinungsbild des archäologischen Parks?
  • Welche Schadensursachen und -risiken sind in Ephesos festzustellen, welche Erhaltungsstrategien können für das Site Management im archäologischen Park nützlich sein?

Projektziele


In dem als Dissertation organisierten Forschungsprojekt wird dem Desiderat der Erforschung der Restaurierungs- und Wiederaufbautätigkeiten in Ephesos nachgekommen. Die konservierungswissenschaftliche Aufarbeitung des Denkmalbestands im archäologischen Park und dessen Umgebung hat einen direkt verwertbaren Nutzen für die praktische Erhaltung, für Konservierung und Restaurierung in Ephesos und trägt zur Weiterentwicklung des Site Management-Plans bei.