Konservierung und Restaurierung von Kleinfunden aus Ephesos

Um Kleinfunde der aktuellen Grabungen unmittelbar und kontinuierlich nach der Ausgrabung zu konservieren und zu restaurieren, verfügt die Grabungssiedlung in Selçuk über eine dem Depot angeschlossene Restaurierungswerkstatt.

Die Aufgaben der Restaurierungswerkstatt bestehen in erster Linie darin, archäologische Funde zu erhalten und objektbezogene Informationen für die archäologische Forschung zu erschließen. Das Spektrum der Materialien umfasst sämtliche Werkstoffgruppen. 

Ephesos, temporäre Festigung von Eisenfunden vor der Bergung (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Bergung


Die konservatorische Tätigkeit beginnt bereits oft während der Grabung, wenn Funde aus dem umgebenden Erdreich geborgen werden müssen. Bei besonders fragilen Objekten wird für die Stabilisierung gesorgt, um die Funde sicher in die Restaurierungswerkstätten zu transportieren.

Konservierung/Restaurierung


Die Bearbeitung der Funde nach der Bergung umfasst die Zustandsdokumentation – mitunter samt Schadens- oder Maßnahmenkartierung –, die Untersuchung der Funde mit anschließender Entwicklung eines Konservierungskonzepts, die eigentliche Konservierung und Restaurierung sowie zuletzt die Gewährleistung der sicheren Lagerung.

Keramik- und Metallfunde sind die quantitativ am stärksten vertretenen Fundgruppen, wobei besonders die Metallobjekte aufgrund der Lagerung im Boden vielfältigen Abbaumechanismen ausgesetzt sind, die Erscheinungsbild und auch Beschaffenheit der Gegenstände mitunter stark beeinträchtigen. Durch die Anwendung verschiedener mechanischer Methoden können jedoch feinste Details der ursprünglichen Oberfläche wie etwa Bearbeitungsspuren und Verzierungen oft wieder sichtbar gemacht werden.

Weil kein Objekt dem anderen genau gleicht, müssen Konservierungstechniken und -konzepte für jeden Fund kritisch hinterfragt werden. Grundlage für die Auswahl notwendiger und geeigneter Methoden bildet die umfassende Zustands- und Materialuntersuchung, wofür die Funde phänomenologisch und sofern notwendig naturwissenschaftlich untersucht werden. Die anschließend angewandten Konservierungstechniken müssen strengen Anforderungen entsprechen, zumal Eingriffe irreversible Veränderungen am Objekt hervorrufen, die in weiterer Folge nachfolgende Analysen oder auch die Fundinterpretation beeinträchtigen können. Somit ist neben der Erhaltung des materiellen Bestands und dem Erschließen von Informationen die Wahrung der Authentizität der Funde eine der wichtigsten Zielsetzungen.

Ephesos, Silbermünze während der Restaurierung/Konservierung (Foto: ÖAW-ÖAI/D. Oberndorfer)
Ephesos, Bronzekreuz vor und während der Restaurierung/Konservierung (Foto: ÖAW-ÖAI/D. Oberndorfer)

Präventive Konservierung


Um die Erhaltung der Funde für die Zukunft zu gewährleisten, werden Methoden der sog. präventiven Konservierung angewandt. Hierbei gilt es, Schadensfaktoren, die während der Lagerung auf die Funde einwirken, zu eruieren und zu bewerten. Auf Basis dieser Erkenntnisse können die Umgebungsbedingungen während der Lagerung angepasst werden, um dem weiteren Zerfall vorzubeugen und entgegenzuwirken.