Konservierung und Restaurierung des ›Domitiansbrunnens‹ in Ephesos

Während einer ausführlichen Befundung des sog. Domitiansbrunnens im Jahr 2015 konnten die in sehr bedenklichem Ausmaß vorhandenen Schadensbilder genau untersucht und bewertet werden. Im Zuge eines Konservierungsprojekts sollen vor allem statische Probleme behoben und weiterer Substanzverlust vermieden werden.

Ephesos, ›Domitiansbrunnen‹. Konsolidierter Bereich der Apsis (Foto: ÖAW-ÖAI/D. Macounova)

Ausgangssituation


Ephesos, ›Domitiansbrunnen‹ vor der Restaurierung (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Bei der Bestands- und Zustandserfassung des ›Domitiansbrunnens‹ wurden sowohl der bauzeitliche Bestand als auch die im Rahmen einer Teilrekonstruktion der Fassade in den 1960er Jahren hinzugefügten Teile erfasst und hinsichtlich ihres Istzustandes bewertet. Hierbei erwies sich neben der durch strukturell geschädigten oder verwitterten Mörtel verursachten teilweise schlechten Beschaffenheit des Mauerwerks der Apsis vor allem der Befund des Bogens und der Betonpfeiler als problematisch. Insbesondere die anhand von Abplatzungen an den Betonpfeilern gut sichtbare Korrosion der Stahlarmierungen sowie die offenen Fugen im Bereich der Marmorblöcke des Bogens stellen eine maßgebliche Gefahr für die Statik der gesamten Konstruktion dar. Demnach können die Sicherung des Bewehrungsstahls, die Schließung der Fugen für eine optimale Kraftübertragung sowie die Konsolidierung der Mauerstruktur der Apsis als die primären Ziele der Konservierung und Restaurierung genannt werden.

Konservierung und Restaurierung 2015


Ephesos, ›Domitiansbrunnen‹ mit Gerüst (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Um die detaillierte Begutachtung sowie zukünftige konservatorische Eingriffe zu ermöglichen, wurde ein Gerüst aufgestellt. Neben der Einholung statischer Gutachten konnten während der ersten Kampagne eine Vielzahl an Detailuntersuchungen durchgeführt werden, die als Basis für die Entwicklung eines Konservierungskonzeptes dienten. Einen wichtigen Teilaspekt stellte neben der Entnahme von Mörtel- und Marmorproben für die spätere Analyse, der Messung der Karbonatisierungstiefe und der Wasseraufnahmekapazität des Betons die Lokalisierung der nichtsichtbaren Eisenarmierungen im Beton dar.

Konservierung und Restaurierung 2016


Schwerpunkte lagen im zweiten Jahr auf der strukturellen Festigung des Mauerwerks der Apsis und dem Beginn der Maßnahmen an den Marmor- und Betonbauteilen. Ziel der strukturellen Festigung war es, die originalen Mörtel bestmöglich zu erhalten und gegebenenfalls zu ergänzen. Zu Beginn der praktischen Arbeiten stand die Trockenreinigung des Mauerwerks in der Apsis, um dieses von Erd- und Schmutzresten sowie höheren Pflanzen zu befreien. Die Festigung der geschädigten Bereiche des bauzeitlichen Mörtels erfolgte je nach Zustand durch ein geeignetes Konsolidierungsmittel oder durch Hinterfüllungen mit Injektionsmörtel. Die strukturelle Festigung des Mauerwerks mit Mörtel begann anschließend im obersten Bereich der Apsis. Die Restaurierungsmörtel wurden dabei den farblichen, technischen und strukturellen Eigenschaften des jeweiligen bauzeitlichen Mörtels angepasst. Bei der Ausführung der Mörtelergänzungen wurde darauf geachtet, Regenwasser künftig möglichst effektiv abzuleiten.

Ausblick


Das Ziel der geplanten zweiten Phase sind Konservierung und Restaurierung sämtlicher Marmor- und Betonbauteile. Hierbei sollen die Bauteile mithilfe geeigneter Methoden konsolidiert und der Schutz der Stahlarmierungen vor weiteren Korrosionsprozessen sichergestellt werden. Zudem sollen basierend auf der statischen Begutachtung unterschiedliche Maßnahmen zur Sicherung der Baustruktur vorgenommen werden.