Befestigung Hisn al-Bab

Grenzbeziehungen von Ägypten und Nubien in Spätantike und frühem Mittelalter

Dieses Vorhaben untersucht die Besiedelung in den guterhaltenen spätantiken und frühmittelalterlichen Befestigungsanlagen von Hisn al-Bab. Der Fundplatz liegt an der Grenze zwischen Ägypten und Nubien und bietet die Chance, die wechselseitige Beeinflussung der Bevölkerung zu beiden Seiten der Grenze sowie Veränderungen in der politischen Kontrolle zu erforschen.

Hisn al-Bab, Blick vom Fluss auf die Befestigung (Foto: ÖAW-ÖAI/P. Rose)

Das Projekt widmet sich Befestigungsanlagen, die auf einer Klippe über dem Nil an der ägyptisch-nubischen Grenze errichtet wurden, und versucht unter Einbeziehung von Textquellen die Ergebnisse im Kontext der Grenzbeziehungen zu verstehen.

Archäologische Grundstruktur


Die aktuellen Ausgrabungen haben drei Phasen der Befestigungsanlage erbracht, die aus dem 6. bis zum 10. Jh. n. Chr. stammen. Die früheste ist eine kleine römisch-ägyptische Festung, die vielleicht unvollendet blieb und von zwei nachfolgenden größeren Strukturen im nubischen Stil abgelöst wurde. Die jüngste der Strukturen kann als nubische Grenzfestung identifiziert werden, die in arabischen Quellen des 8.–9. Jhs. genannt wird und eine wesentliche Rolle im offiziellen Warenaustausch zwischen dem ägyptischen Staat und dem nubischen Königreich spielte.

Hisn al-Bab, Panoramablick (Foto: ÖAW-ÖAI/P. Rose)

Besiedelung im 6.–7. Jahrhundert


Bisher haben sich die Ausgrabungen auf das 6.–7. Jh. konzentriert, eine Phase, in der es die umfassendste Aktivität gab. In dieser Zeit haben die Bewohner die frühere kleine Festung erneut benutzt und eine größere Einfassung, die bis zum Fluss hinab reichte, erbaut. In dem kleinen Festungsbereich fanden sich aus Stein gebaute Wohneinheiten, ein Lagerareal einschließlich Keramik- und Glasgefäßen, Eisenobjekten, seltenen Münzen und großen Mengen an Pflanzenresten. Innerhalb der größeren Mauereinfassung wurden Hinweise auf Ställe wie auch auf Wohnzwecke angetroffen.

Hisn al-Bab, Tierställe (Foto: ÖAW-ÖAI/P. Rose)

Keramik


Die Untersuchung der reichlich vorhandenen Keramik, die gut rekonstruiert werden kann, zeigt, dass die im 6.–7. Jh. benutzen Gefäße typische Muster aufweisen. Transportgefäße, Tafelgeschirr und ein Teil des Kochgeschirrs kommen aus Ägypten, während Vorratsgefäße, die ungefähr die Hälfte des Materials darstellen, eindeutig nubische Traditionen aufweisen. Die petrografische Analyse legt nahe, dass ein Großteil der nubischen Keramik in der Gegend um den 1. Katarakt gefertigt wurde.

Umfeld


Das trockene Umfeld führte zu einer ausgezeichneten Konservierung der Pflanzenreste. In dem Lagerraum wurden an die 42 Arten ermittelt, wobei manche mit speziellen Keramikbehältern assoziiert werden konnten. Die Reste umfassen eine breite Reihe an Nahrungspflanzen und Aromastoffen sowie Öl- und Faserpflanzen, was sowohl Mittelmeer- als auch südliche Ursprünge widerspiegelt. Unter den Tierknochen dominieren die von Schafen/Ziegen und Schweinen. 

Anzeichen von Auseinandersetzungen


Die Okkupation des 6.–7. Jhs. endete gewaltsam. Es gibt sowohl Anzeichen für die Zerstörung der innen liegenden Strukturen durch Feuer als auch für kämpferische Auseinandersetzungen. Dies zeigt sich durch Deponierungen menschlicher Gebeine, die nicht mehr im Knochenverbund waren und Verletzungsspuren durch Klingenwaffen aufweisen. Gemeinsam mit den Körpern wurden Reste einer Bogenschießausrüstung gefunden, einschließlich 80 Pfeilen, von welchen einige vollständig erhalten waren.

Scanning und architektonische Untersuchung


Ein umfassendes 3-D-Scanning aller architektonischen Überreste wurde von der Technischen Universität Wien durchgeführt; die Untersuchung dieser Ergebnisse dauert noch an.