Ein mittelalterlich-frühneuzeitlicher Badekomplex in Ephesos

Bei dem sog. Hamam IV in Ephesos handelt es sich um eine kleine türkische Badeanlage, bestehend aus sechs quadratischen und überkuppelten Räumen sowie einem an der Nordseite angeschlossenen rechteckigen Wasserdepot. Dieses Bauwerk wurde einer sehr intensiven Untersuchung unterzogen, um Fragen zu Wasserleitungssystem und Heiztechnik zu klären.

Im Gegensatz zu den sehr gut erforschten antiken Objekten sind die türkischen und islamischen Baustrukturen der mittelalterlichen und neuzeitlichen Epochen in Ephesos und Selçuk noch nicht vollständig bearbeitet. Um die Forschungslage dieser kulturhistorisch bedeutenden mittelalterlichen Baudenkmäler zu verbessern, bildet die genaue archäologisch-baugeschichtliche Untersuchung eines bisher unerforschten Objekts Anlass und Ausgangspunkt der Forschungsarbeit.

Ephesos, Hamam IV. Ansicht von Westen (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Erfolgte Arbeiten


Bei dem ausgewählten Bauwerk handelt es sich um den sog. Hamam IV, einen gut erhaltenen, kleinen mittelalterlich-frühneuzeitlichen Badekomplex westlich des Burgbergs von Ayasoluk. In den letzten Jahren wurden hier Grabungen durchgeführt und eine genaue Baudokumentation des Gebäudes mit einer Kombination von Handaufmaß, Fotogrammetrie und 3-D-Laserscan vorgenommen.

Raumstruktur


Der Hamam besteht aus vier Haupträumen – einem Umkleideraum und drei Baderäumen – sowie zwei kleineren, später hinzugefügten Anbauten an der Südseite. Alle Räume haben einen quadratischen Grundriss und Kuppeln mit Lichtöffnungen, die zum Großteil noch vollständig erhalten sind. Ein großes rechteckiges Wasserdepot an der Nordseite war ursprünglich mit einem Tonnengewölbe überdeckt, von dem aber nur noch in den Innenraum gestürzte Bruchstücke vorhanden sind.

Ephesos, Hamam IV. Innenansicht des Umkleideraumes (Foto: ÖAW-ÖAI/N. Gail)

Wasserleitungs- und Heizungssystem


Von dem unterhalb des Wasserdepots gelegenen Präfurnium ausgehend, verlaufen die Heißluftkanäle zu den Hypokausten, die unter dem teilweise noch erhaltenen Fußbodenaufbau in allen Räumen in unterschiedlicher Ausführung vorhanden sind. Auch der Verlauf der Wasserleitungsrohre in den Wänden ist deutlich zu erkennen und kann von dem Wasserdepot bis zu den Auslassöffnungen in den einzelnen Räumen verfolgt werden.

Forschungsfragen


Im Zuge der Arbeiten sollen Fragen zur Chronologie des Bauablaufs und der unterschiedlichen Bauphasen, zur Lage und Funktion der heiztechnischen Komponenten, zum Verlauf der Wasserleitungen und zur Entwässerung sowie zur funktionalen Raumaufteilung geklärt werden.