Archäologische Bauforschung in Ephesos

Die technischen und konstruktiven Elemente von Bauwerken, aber auch deren Geschichte und kulturhistorische Bedeutung zu studieren, ist Aufgabe der archäologischen Bauforschung, die in Ephesos lange Tradition hat. Neben einer Analyse repräsentativer Monumente wie dem ›Serapeion‹ oder dem ›Hadrianstempel‹ erfolgt eine konsequente Bearbeitung vergleichsweise schlichter Gebäude, aber auch von Bauteilen, die – vor langer Zeit ausgegraben – in vielen Fällen keinem spezifischen Bauwerk mehr zugeordnet werden können.

Geschichte der Bauforschung in Ephesos


Neben der Ausgrabung bildete die archäologische Bauforschung von Beginn an das konstituierende Element der Forschungen in Ephesos. Bereits zu Beginn des 20. Jhs. erschienen Publikationen zur Celsusbibliothek, der Tetragonos Agora und dem Theater, denen eine detaillierte Bauaufnahme voranging. An diese Tradition knüpften die Studien zu den christlichen Denkmälern in der Zwischen- und unmittelbaren Nachkriegszeit an. Ein Charakteristikum der Bauforschung in Ephesos ist ihre enge Verschränkung mit der Archäologie, die insbesondere in den Publikationen der Hanghäuser, des Prytaneions und des Vediusgymnasiums zum Ausdruck kommt.

Auswahlverfahren und Methode


Bei der Bearbeitung von Baudenkmälern gilt es einerseits, neben den Repräsentationsbauten auch unscheinbare Gebäude zu berücksichtigen und andererseits, die Architektur als dynamisches Element in einem urbanistischen Kontext zu verstehen und dabei insbesondere die Lebensdauer sowie die Verfallsgeschichte zu berücksichtigen. Zur Anwendung kommen unterschiedliche Methoden, die vom traditionellen Handaufmaß bis zum 3-D-Laserscan-Verfahren reichen und eine optimale und detailgetreue Dokumentation jedes Bauteils gewährleisten sollen. Grabung, Bauaufnahme und Auswertung erfolgen idealerweise parallel, um Fragestellungen der verschiedenen Disziplinen berücksichtigen zu können.

›Serapeion‹ und Obere Agora


Die Erforschung der als ›Serapeion‹ bekannten Kultanlage in der Unterstadt von Ephesos sowie die bauliche Ausgestaltung der Oberen Agora stellen derzeit die wichtigsten bauforscherischen Projekte in Ephesos dar. In enger Abstimmung mit den Archäologinnen und Archäologen wird unter anderem Fragen der Chronologie und Funktion nachgegangen; ein Schwerpunkt liegt natürlich auch auf der Rekonstruktion der Bauten. In mehreren Masterarbeiten und Dissertationen werden Einzelaspekte wie beispielsweise die Rekonstruktion von Giebel und Portal des ›Serapeions‹ beleuchtet, während die Gesamtanalyse als interdisziplinäre Studie geplant ist.

Kapellen und Signaltürme


Ein bereits von F. Miltner in der Nachkriegszeit ausgegrabener, nördlich an den Clivus Sacer anschließender Baukomplex umfasste auch eine kleine frühchristliche Kapelle, welche über die Nordstoa betreten werden konnte. Die Bauanalyse erbrachte den Nachweis einer Apsis mit frei stehendem Altar, einem kleinen Kirchenraum sowie angeschlossenem Narthex im Westen. Derzeit wird an einer Rekonstruktion und chronologischen Einordnung der Kapelle und ihrer Einbindung in die Nordstoa der Straße zwischen Oberer Agora und Domitiansplatz gearbeitet.
Am sog. Canakgöl, einer römisch-byzantinischen Hafenbucht etwa 4 km westlich von Ephesos, steht eine Ruine, die als Signalturm interpretiert werden kann. In den Felsen gehauene Treppen im Westen belegen eine Zugänglichkeit vom Hafen oder dem Schifffahrtskanal, während die an den übrigen drei Seiten noch mehrere Meter hoch erhaltenen Mauern die Felskuppe kompakt umschließen. Eine Aufnahme und Rekonstruktion des Bauwerks soll weitere Aufschlüsse bezüglich der maritimen Infrastruktur von Ephesos geben.

Bauforschung und Denkmalpflege


Eng verbunden mit der Bauforschung ist die Denkmalpflege, die in den meisten Fällen parallel mit den Feldforschungen einsetzt. So begann unmittelbar nach der Bauaufnahme die Konservierung des ›Domitiansbrunnens‹, im Rahmen derer sodann auch weitere Aufschlüsse zu Konstruktion und Betrieb des Bauwerks gewonnen werden konnten. Bei Gebäuden mit Bruchsteinmauerwerk setzt dessen Konsolidierung ebenfalls sofort nach der Freilegung des Bestands ein, um den weiteren Verfall der Gebäude wenn schon nicht endgültig aufzuhalten, so doch markant zu verlangsamen.