Die Erforschung der Stadt Ayasoluk vom Untergang der Antike bis in die Gegenwart

Bereits im 11. Jh. n. Chr. lassen sich erste Siedlungsspuren im vormaligen Heiligtum der ephesischen Artemis und am Fuße des Ayasoluk-Bergs fassen, der monumentale Ausbau der Stadt Ayasoluk fällt allerdings in die Regierungszeit der Fürsten von Aydın sowie in die frühosmanische Zeit (2. Hälfte 14./1. Hälfte 15. Jh.). In diese Blütezeit datieren denn auch zahlreiche Gebetshäuser, Bäder und Grabmonumente. Das Fundmaterial belegt weit reichende Handelsbeziehungen bis nach Spanien, Syrien, in den Iran und nach China. 

Letzte große Blütezeit im 14. und 15. Jahrhundert


Im späten 14. Jh. n. Chr. entwickelte sich um den Ayasoluk-Berg eine blühende Metropole, die als Regierungssitz der Fürsten von Aydın als administratives, wirtschaftliches und spirituelles Zentrum ausgebaut wurde. Von der ehemaligen Pracht der Stadt zeugen heute noch zahlreiche hervorragend erhaltene Gebäude, darunter die in der zweiten Hälfte des 20. Jhs. wieder instand gesetzte İsa Bey-Moschee sowie das ursprünglich zugehörige Bad. Weitere Bäder, kleine Gebetshäuser und viele Grabmonumente (Türben) geben einen allerdings nur ausschnitthaften Eindruck über den Charakter und die Bedeutung der Stadt unter türkischer Herrschaft.

Handelsknotenpunkt Ayasoluk


Ausgrabungen im römischen Odeion, das in türkischer Zeit zu Wohnzwecken genutzt wurde, sowie im İsa Bey-Hamam haben durch Keramikfunde den Nachweis intensiver Handelskontakte erbracht, die von Spanien über Syrien und den Iran bis nach China reichten. Auffallend sind der hohe Lebensstandard und die Versorgung der Bevölkerung mit prestigeträchtigen Luxusprodukten. Fremde Produkte, vor allem aus Europa, kamen allerdings auch mit Pilgern und Reisenden in die Region, von denen zahlreiche Graffiti in den christlichen Pilgerstätten Zeugnis ablegen.

Hamam IV - Ein mittelalterlich-frühneuzeitlicher Badekomplex


Der sog. Hamam IV, ein gut erhaltener, kleiner mittelalterlich-frühneuzeitlicher Badekomplex westlich des Burgbergs von Ayasoluk, wurde in den letzten Jahren genauer untersucht. Neben Grabungen erfolgte eine genaue Baudokumentation des Gebäudes mit einer Kombination von Handaufmaß, Fotogrammetrie und 3-D-Laserscan.

Der Hamam besteht aus vier Haupträumen – einem Umkleideraum und drei Baderäumen – sowie zwei kleineren, später hinzugefügten Anbauten an der Südseite. Alle Räume haben einen quadratischen Grundriss und Kuppeln mit Lichtöffnungen, die zum Großteil noch vollständig erhalten sind. Ein großes rechteckiges Wasserdepot an der Nordseite war ursprünglich mit einem Tonnengewölbe überdeckt, von dem aber nur noch in den Innenraum gestürzte Bruchstücke vorhanden sind.

Von dem unterhalb des Wasserdepots gelegenen Präfurnium ausgehend, verlaufen die Heißluftkanäle zu den Hypokausten, die unter dem teilweise noch erhaltenen Fußbodenaufbau in allen Räumen in unterschiedlicher Ausführung vorhanden sind. Auch der Verlauf der Wasserleitungsrohre in den Wänden ist deutlich zu erkennen und kann von dem Wasserdepot bis zu den Auslassöffnungen in den einzelnen Räumen verfolgt werden.

Im Zuge der Dissertation von Petra Mayrhofer sollen Fragen zur Chronologie des Bauablaufs und der unterschiedlichen Bauphasen, zur Lage und Funktion der heiztechnischen Komponenten, zum Verlauf der Wasserleitungen und zur Entwässerung sowie zur funktionalen Raumaufteilung geklärt werden. 

Ephesos – Ayasoluk: eine Geschichte von Tradition und Bruch


Die Transformationszeit zwischen Spätantike und Neuzeit stellt die archäologische Forschung vor große Herausforderungen, da die materielle Kultur stark ausdünnt und zudem zeitlich bislang nur grob einzuordnen ist. Zwar sind einzelne Aspekte, wie die Siedlungsverlagerung oder die Aufgabe der Kirchen, gut dokumentiert, allerdings fehlt bislang eine holistische Ursachenforschung. In einem breit angelegten interdisziplinären Projekt soll daher die ›Mikroregion Ephesos‹ in ihrer Beziehung zu großräumigen Phänomenen wie Klimaveränderungen, wechselnden Wirtschaftssystemen, kulturell bedingten Traditionsbrüchen und anderem erforscht werden.