Bauaufnahme und architektonische Studie zu den hellenistischen ›Naiskoi‹ in Aigeira

Im Rahmen einer neuen Bauuntersuchung werden Baugeschichte, Typologie, Nutzung und städtebauliche Funktion der drei sog. Naiskoi im Bereich des Theaters analysiert.

Aigeira, Übersichtsplan über Theater und ›Naiskoi‹ (Plan: ÖAW-ÖAI/S. Gogos, A. Tanner, H. Birk)

Zusammen mit dem Theater, einem Peristylgebäude und weiteren Kleinbauten bilden die drei nördlich und südlich des Theaters gelegenen sog. Naiskoi D, E und F ein städtebauliches Ensemble, das im Hellenismus errichtet worden und bis in die römische Kaiserzeit in Benutzung war. Auffallend an der Anlage ist der mehrfach und an prominenter Lage vorkommende Gebäudetyp ›Naiskos‹, dessen Funktion noch unklar ist. Auch die Chronologie der drei Gebäude konnte anlässlich der Ausgrabungen des ÖAI in den 1970er und 1980er Jahren nicht geklärt werden.

Die drei vorwiegend in lokalem Konglomeratstein erbauten Prostyloi von 12,50–17,70 m Länge weisen Unterschiede in ihren Proportionen, den bautechnischen Details und ihrer Ausstattung auf. Ziel der aktuellen Forschung ist die Klärung der architektonischen Gestalt, Baugeschichte und Funktion dieser Kleinbauten. Aufbauend auf diesen Ergebnissen sollen weitere Erkenntnisse über Entstehung und Bedeutung der Gesamtanlage gewonnen werden.

Von 2011 bis 2016 wurden die Gebäude während der jährlichen Grabungskampagnen abschnittsweise gereinigt, neu vermessen und gezeichnet. Diese neu erstellte steingerechte Bauaufnahme in Form von Grundrissen, Schnitten und Ansichten dient mit der Grabungsdokumentation als Grundlage der bauforscherischen Analyse. Außerdem wird eine Reihe Gebälkblöcke sowie Dachterrakotten aufgenommen und untersucht, um Rekonstruktionsvorschläge der Architektur zu erarbeiten.

Aigeira, ›Naiskos‹ D mit Fußbodenmosaik (Orthofoto: ÖAW-ÖAI/H. Staub, D. Ronchi, W. Gauß, A. Tanner)
Aigeira, ›Naiskos‹ E von Südosten (Foto: ÖAW-ÖAI/A. Tanner)