BAUFORSCHUNG UND SIEDLUNGSARCHÄOLOGISCHE STUDIEN IN ABTHUGNOS

Die Stadtanlage von Abthugnos, bisher vor allem bekannt durch die umfangreich erhaltenen Ruinen eines kapitolinischen Forums aus dem 2. Jh. n. Chr., wird in Bezug auf ihre Funktionen sowie ihre Eigenschaften als ländliche Stadt im Hinterland von Karthago mit bauforscherischer und siedlungsarchäologischer Methodik im Rahmen einer Kooperation mit L’Institut National Du Patrimoine De Tunisie (INP) untersucht.

Lage


Die römische Stadt Abthugnos befindet sich etwa 90 km südlich von Tunis im Landesinneren bei dem modernen Dorf Henchir es-Souar in der Provinz Zaghouan, Tunesien. Die fruchtbare Landschaft ist geprägt durch die Ausläufer des Djebel Zaghdoud. Mehrere Wadis durchziehen das hauptsächlich landwirtschaftlich genutzte Gebiet um die Stadt. Abthugnos, das in der Forschungsliteratur auch als Abthugni/Abthonge/Abthunge/Abthungi angesprochen wird, gehörte wahrscheinlich noch zum Territorium der Karthagischen Pertica. Unweit südwestlich der Stadt verlief die Fossa Regia, die Grenzlinie zwischen der 146 v. Chr. eingerichteten römischen Provinz Africa und dem numidischen Königreich. In der Regierungszeit Kaiser Hadrians wurde Abthugnos municipium (Landstadt).

Forschungsgeschichte


Die gut erhaltenen Ruinen des Tempels am Forum der Stadt sowie weitere Baustrukturen und Inschriftenfunde wurden seit der zweiten Hälfte des 19. Jhs. von Reisenden und Forschern beschrieben. Während einer Studienreise durch Nordafrika vermaßen René Cagnat, Paul Gauckler und Eugéne Sadoux den als Kapitol bezeichneten Tempel und publizierten 1898 den Grundriss, einige Fassadendetails und ein Foto in »Les Monuments Historiques de la Tunisie«. Die tunesische Archäologin N. Ferchiou begann 1988 im Rahmen einer Notgrabung des INP mit umfangreichen Freilegungen und Bergungsarbeiten im Zentrum von Abthugnos, die bis in die 1990er Jahre andauerten. Es wurde ein monumentaler Komplex ausgegraben, den N. Ferchiou als zentrales Forum von Abthugnos mit Kapitol und ziviler Basilika identifizierte. Weitere Baustrukturen der Stadt, die im heutigen Siedlungsgebiet des Dorfes Henchir es-Souar sichtbar sind, wurden 1991 in einer Karte dokumentiert. In den 2000er Jahren setzte das INP die Ausgrabungen in einem Bereich direkt südwestlich des Forums fort und führte auch Restaurierungsarbeiten am Torbau zum Forum sowie an der Südostfassade der Basilika durch.

Bauforschung und siedlungsarchäologische Studien


Das Projekt zur Erforschung der Stadt Abthugnos arbeitet in zwei Maßstäben. Die freigelegten Gebäudestrukturen des monumentalen Forums mit Tempel und Basilika werden mit 3-D-Laserscanning erstmals formtreu in ihrem aktuellen Erhaltungszustand dokumentiert und auf dieser Basis detailliert mittels steingerechten Plänen und Kartierungen in Bezug auf ihre Architektur sowie die historischen Bau- und Nutzungsphasen analysiert. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem zugrunde liegenden Plan des Forums, das einem in Nordafrika häufig umgesetzten Schema römischer Platzanlagen folgt, und auf Fragen zu seiner Implementierung. Gleichzeitig erstellt die bauhistorische Analyse damit auch die Grundlagen für die Entwicklung eines Konzepts zur künftigen Erhaltung der Forumsanlage.

Im Stadtgebiet sind weitere bauliche Strukturen wie Zisternen und Stützmauern sichtbar sowie auch Pflasterungen und an der Erdoberfläche vielfach über längere Abschnitte verlaufende Mauerzüge aus Quadermauerwerk. Ebenso finden sich dislozierte Architekturfragmente in größerer Anzahl. Unter Einsatz geophysikalischer Prospektionsmethoden und GPS Survey soll die Stadtanlage mit ihren Strukturen und Architekturfunden insgesamt erfasst und unter Berücksichtigung weiterer verfügbarer Informationen analysiert werden. Ziel ist, den Charakter des antiken und spätantiken Abthugnos, das Anfang des 4. Jhs. Bischofssitz wurde, sowie die Bedeutung der Stadt in ihrem ländlichen Umfeld zu erhellen.