Jungneolithische Fischerei in der neolithischen Seeufersiedlung Hornstaad-Hörnle am Bodensee

Der Fischfang war neben der Tierwirtschaft und der Jagd eine wichtige Nahrungsquelle der jungsteinzeitlichen Bewohner am Bodensee. Die Ausgrabungen in der Pfahlbausiedlung weisen eine intensive Befischung von Hecht und Weißfischen nach. Andere gefangene Fische sind etwa Barsch, Felchen und Forellen. 

Ausgangssituation


Fische waren eine wichtige Nahrungsquelle für die Menschen der Jungsteinzeit am Bodensee. Da die meisten Fische relativ kleine Knochen haben, die bei einer händischen Fundbergung in der Erde nicht erkannt werden können, werden meist nur Knochen sehr großer Fische, etwa von Hecht oder Wels, gefunden. Ein stichenprobenartiges Schlämmen der Sedimente, wie bei dieser Ausgrabung gehandhabt, kann dies verhindern. Ein anderer limitierender Faktor für die Erhaltung der kleinen und fragilen Knochen ist die umgebende Erde. In Pfahlbausiedlungen, wo oft wassergesättigte Sedimente anzutreffen sind, erhalten sich diese Knochen jedoch ganz ausgezeichnet. 

Der Befund


Die jungneolithischen Fischreste stammen aus der Pfahlbausiedlung Hornstaad-Hörnle am Südwestufer des Untersees im Bodensee. Die Bearbeitung der Fischknochen erfolgt im Zuge einer Kooperation mit E. Stephan (Landesamt für Denkmalpflege, Konstanz). Die Siedlung zeugt von einer der ältesten jungsteinzeitlichen Besiedlungsphasen am Bodensee in Südwestdeutschland. Insgesamt konnten bislang mehr als 10.200 Fischknochen mit einem Gewicht von rund 0,5 kg bearbeitet werden.

Ein hoher Anteil der Fischknochen liegt verkohlt und stark fragmentiert vor und war daher nicht genauer zu bestimmen. Dennoch ist die Verteilung der im Neolithikum gefangenen und verzehrten Fische durchaus artenreich. Das Fundensemble wird deutlich vom Hecht dominiert, während die anderen Fischarten in nur geringer Funddichte vorkommen. Die zweithäufigste Gruppe sind die Karpfenartigen, wobei die kleinen Knochenreste meist nicht genau zu bestimmen waren; Flussbarbe, Rotfeder und der Knochen einer Schleie konnten aber nachgewiesen werden. Neben den zahlreichen Flussbarschen fand sich jedoch nur ein einzelner Knochen eines Zanders. Durch die Unsicherheiten bei der Bestimmung aufgrund des fragmentarischen und meist stark verbrannten Erhaltungszustands der Wirbel konnten Felchen und Forellen nicht bestimmt werden; die kompletteren Knochen dürften aber eher von Felchen als von Forellen stammen. Schließlich ließ sich vereinzelt die Befischung des Welses nachweisen.