Wirtschaftsweisen, Subsistenz und ökologisch-umweltgeschichtliche Veränderungen in Ephesos

Die Metropolis Asiae selbst und ihr Umland archivieren eine außergewöhnlich lange Besiedlungsgeschichte, beginnend mit dem frühen keramischen Neolithikum bis in das Mittelalter. Daraus ergeben sich einerseits Möglichkeiten, kontextueller Untersuchungen zur Tiernutzung, andererseits bieten die Ausgrabungen die Chance, diachrone Entwicklungen in der Ernährung, der Tiernutzung und der ökologischen Bedingungen im näheren Umland von Ephesos zu erforschen. 

Tierreste in Ephesos und Umgebung


Die frühesten Nachweise konnten am Çukuriçi Höyük, einem Siedlungshügel nahe Ephesos, gefunden werden. Die Besiedlung beginnt mit dem frühen keramischen Neolithikum im 7. Jts. und reicht bis in die Frühbronzezeit. Die Haustierhaltung der ersten Siedler, die Bauern, aber auch Seefahrer waren, erfolgte offenbar mit bereits domestizierten Tieren.

Chronologisch betrachtet, kamen die zeitlich nächsten archäozoologische Überreste am Panayırdağ zutage: Sie stammen aus Siedlungsnachweisen, die von der Spätbronzezeit an datieren. Archäozoologische Funde aus dem Hauptheiligtum von Ephesos, dem Tempel der Artemis, ermöglichen die Rekonstruktion des Kultgeschehens und die Darbringung tierischer Opfergaben in diesem frühgriechischen Heiligtum. Umfangreiches archäozoologisches Material hellenistischer und kaiserzeitlicher Datierung kommt etwa aus dem Hanghaus 2 oder aus dem Bereich des ›Domitianstempels‹ und dem Villenbezirk am Panayırdağ.

Das spätantik-mittelalterlichen Stadtquartier südlich der Marienkirche und die ephesischen Nekropolen erbrachten Funde spätantiker-frühbyzantinischer Datierung, während mittelalterliche Befunde etwa aus dem Hamam III in Ayasuluk bekannt sind: In einem Brunnenschacht wurden zwei menschliche Skelette sowie ein Pferde- und ein Hundeskelett gefunden. Alle Individuen dürften während kriegerischer Auseinandersetzungen in der Stadt Ayasuluk im 15. Jh. getötet und in dem Brunnen entsorgt worden sein. Die Grabungen bei der Türbe und dem ›Odeion‹ im Artemision erbrachten ebenfalls mittelalterlich datierende Tierreste. 

Auswertung


Über längere Zeiträume beobachtet, lassen sich beispielsweise Änderungen in der Haustierhaltung erkennen. Während in der Urgeschichte Schafe und Ziegen wichtige Haustiere waren, konnten Hausschweine nicht in großen Mengen nachgewiesen werden. In der Kaiserzeit hingegen waren Schweine begehrter, und vor allem das Fleisch der Milchferkel war von kulinarischer Bedeutung.

Die verschiedensten Säugetier-, Reptilien-, Vogel-, Fisch- und Molluskenarten, die bestimmt werden können, sind natürlich auch von zoologischem Interesse, geben sie doch Kenntnis von der damaligen Artenverbreitung, zumal die Tiere heute, wie etwa der Leopard, nicht mehr in diesem Gebiet heimisch sind. Im zeitlichen Vergleich können so nicht nur Vorlieben im Jagdverhalten verschiedener Kulturen erkannt, sondern auch Änderungen im Naturraum Ephesos rekonstruiert werden: War in der Urgeschichte der spätere Siedlungsraum noch Meeresbereich mit dementsprechendem Fischfang, verlandete der ursprüngliche Meeresbusen später mehr und mehr. So finden sich in den römischen Kontexten aus dem Hanghaus 2 zwar noch Meeresfische, aber nun wurden offensichtlich im Kleinen Mäander und umgebenden Gewässern auch Süßwasserfische für den Verzehr gefangen.