Differenzierung von tierischem Abfall und Überresten aus Spielen im Amphitheater I von Carnuntum

Die Tierknochen stammen aus Ausgrabungen im Amphitheater I in Carnuntum. Sie repräsentieren großteils Haustiere, die als Abfall dort zur Ablagerung kamen. Knochen großer Raubtiere, etwa von Bär oder einer Großkatze, könnten Tiere repräsentieren, die bei den spätantiken Tierhetzen im Amphitheater getötet wurden.

Das archäozoologische Material kommt hauptsächlich aus Ausgrabungen, die 2009 und 2010 im Amphitheater I durchgeführt wurden. Es stammt größtenteils aus den mächtigen spätantiken Schichten vor dem Osttor, dem Westtor sowie aus der Verfüllung des Beckens in der Arena. Die spätantiken Befunde lassen vermuten, dass zu dieser Zeit im Amphitheater noch venationes (Tierhetzen) veranstaltet wurden, weshalb die Tierknochen natürlich von großem Interesse sind. 

Tierartenspektrum


Die bereits analysierten Tierreste aus diesen Fundkomplexen zeigen bislang eine ›einheitliche‹ Zusammensetzung. Sie bestehen hauptsächlich aus Rinderknochen, wobei neben fleischärmeren auch fleischreichere Körperpartien nachweisbar sind. Viele der Rinderknochen zeigen Hack- und Schnittspuren, die auf eine Zerlegung mit Fleischhauerwerkzeug wie Hackmesser oder Hackbeile hinweisen. Außerdem wiesen zahlreiche Knochen Hundeverbissspuren auf. Die Rinder wurden meist adoleszent oder matur geschlachtet, und die Anwesenheit von Milchkälbern konnte kaum nachgewiesen werden. Die Knochen zeigen zwei morphologisch unterschiedliche Typen, sehr kleine Rinder, die einem eisenzeitlichen heimischen Rindertypus gleichen, und sehr große Rinder, die in Österreich in zahlreichen römischen Fundstellen vertreten sind.

Die restlichen Haustiere sind nur untergeordnet repräsentiert, wobei ein höherer Anteil an Schweinen als an Schafen und Ziegen auffällt. Pferd und Esel sind durch einige Reste im Material belegbar. Erstaunlicherweise sind recht viele Hundeknochen nachweisbar, die aber ohne Bearbeitungsspuren waren. Die Nutzung von Geflügel ist durch Huhn und Gans belegt.

Nachweise für Jagdtiere sind Wildschwein, Reh und Rothirsch sowie Knochen, die von einem Wisent stammen könnten. Neben kleinen Raubtieren wie Fuchs und eventuell Wildkatze finden sich auch Braunbärenknochen und der Unterarmknochen eines sehr großen Raubtiers. Zwar ist der Knochen an beiden Enden stark fragmentiert, doch spricht seine Form eher für eine Großkatze als für einen Bären. Während die meisten tierischen Reste wohl Abfall belegen, könnten die Knochen der großen Raubtiere durchaus Reste der Tierhetzen im Amphitheater I darstellen.