LEBEN UND ARBEIT IM BRONZEZEITLICHEN BERGBAU VON PRIGGLITZ

Das FWF-Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, die Versorgungsstrukturen und Arbeitsabläufe des östlichsten spätbronzezeitlichen Kupferbergbaues in den Alpen interdisziplinär zu erforschen. Im Fokus des am ÖAI angesiedelten Projektteils stehen die Versorgung der Bergleute mit pflanzlicher Nahrung und die Deckung des Holzbedarfs.

Im heutigen Bezirk Neunkirchen wurde in der Spätbronzezeit Kupfer abgebaut. Hier, im östlichsten Bergbaurevier der Alpen und dem größten in Niederösterreich, liegt der begehrte Rohstoff vor allem in Gestalt von Kupferkies ab, der nicht nur abgebaut, sondern auch verhüttet wurde. Nachdem das Bergbaurevier schon in den 1950er-Jahren punktuell untersucht worden war, fanden unter der Leitung von P. Trebsche von 2010 bis 2014 systematische Grabungen in der Flur ›Gasteil‹ statt.

Präindustrielle Fertigungsprozesse


Wie bereits an zahlreichen anderen Fundstellen (in den Ostalpen etwa in Hallstatt, am Mitterberg oder im Tiroler Unterinntal) gezeigt werden konnte, erfordern Erzabbau und Verhüttung eine derart hohe Spezialisierung – nicht nur in Bezug auf die Expertise, sondern auch auf den zu treibenden Zeitaufwand –, dass klare Arbeitsteilung und Auslagerung der Versorgungsstrukturen notwendig sind. Hinsichtlich der Versorgungsstrukturen und Fertigungsprozesse konnten auch für Prigglitz bereits einige Erkenntnisse gewonnen werden, etwa Werkzeugherstellung und Fleischverarbeitung betreffend.

Im Zentrum des aktuellen Projekts steht die Erweiterung der Modelle zur Versorgung der Siedlung und zu deren sozialer und wirtschaftlicher Organisation. Wieviel Kupfer und Bronze konnten produziert werden, wie viele Personen waren in die Prozesse involviert? Welche Besonderheiten lassen sich in der Belieferung mit Nahrungsmitteln feststellen, und wie gut war die Versorgungslage mit Feuer- und Bauholz?

Der archäobotanische Teil des Projekts ist am ÖAI beheimatet, in seinem Rahmen werden großflächige Analysen karpologischer Reste sowie von Holzkohlen durchgeführt. Letztere werden auch nach dendrologischen und taphonomischen Parametern ausgewertet, um beispielsweise nicht nur die in der Verhüttung verfeuerten Gehölzarten, sondern auch die genutzten Holzqualitäten ermitteln zu können.