Projekt »Zeitensprung«: Umwelt und Landwirtschaft der Seeufersiedlungen am Attersee

Im Vorfeld der Oberösterreichischen Landesausstellung 2020 zu dem Thema Pfahlbauten werden umfangreiche Forschungen am UNESCO-Welterbe »Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen« durchgeführt. Archäobotanische Untersuchungen an den feucht erhaltenen Materialien aus jungneolithischen Siedlungen am Attersee sollen insbesondere bei der Rekonstruktion der Ernährung und der Landwirtschaft der Pfahlbauer helfen.

Pfahlbau- oder Seeufersiedlungen beschäftigen die Forschung schon seit Mitte des 19. Jhs. Die Pfahlbauten auf österreichischem Staatsgebiet sind allerdings erst seit wenigen Jahren wieder in den Fokus des Interesses gerückt. Das von J. Leskovar und C. Dworsky geleitete Projekt »Zeitensprung«, das auch die wissenschaftliche Basis für die Oberösterreichische Landesausstellung 2020 bildet, setzt hier nun neue Impulse.

Grabungen unter dem Seespiegel


In dem Projekt kommt den aufwendigen Unterwassergrabungen große Bedeutung zu, die in den neolithischen Siedlungen im Uferbereich des Attersees durchgeführt werden. Ziel sind zunächst die Klärung der Siedlungsstruktur, -größe und -chronologie und in weiterer Folge die Bearbeitung von Fragestellungen zu Ernährung und Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaftsstruktur. Vor allem in der Verzahnung mit dem Projekt BELAVI sind wichtige Erkenntnisse zu erwarten.

Außergewöhnliche Erhaltungsbedingungen


Das Methodenspektrum im Projekt beinhaltet auch sedimentologische und pollenkundliche Analysen. Die außergewöhnlich guten Erhaltungsbedingungen in den sauerstoffarmen und großteils ungestörten Seesedimenten trugen dazu bei, dass ein Großteil der prähistorischen Pflanzenreste erhalten geblieben ist und aus den Proben der Kulturschichten somit große Mengen Daten gewonnen werden können. 

Datengenerierung


In den Projektvorarbeiten am VIAS konnten bereits über 10.000 Pflanzenreste aus der Pfahlbausiedlung in Seewalchen identifiziert werden. Die weiteren Untersuchungen, beginnend mit den Kulturschichten aus Sedimentbohrkernen der Siedlung Weyregg II, werden seit Januar 2017 am Department für Bioarchäologie des ÖAI durchgeführt. Hier wurde eigens die Infrastruktur für die Bearbeitung feucht erhaltenen Pflanzenmaterials geschaffen

Perspektiven


Gemeinsam mit den Erkenntnissen aus der archäologischen Bearbeitung, mit den vegetationsgeschichtlichen Daten (Pollenprofile werden derzeit an der Universität Innsbruck ausgewertet) und im Austausch mit internationalen Expertinnen und Experten der Pfahlbauforschung sind von dem archäobotanischen Projektteil in »Zeitensprung« wertvolle Erkenntnisse zu den Themengebieten Ernährung und Landwirtschaft zu erwarten