Geoarchäologische Forschungen in Limyra

Im Rahmen des vom FWF geförderten Projekts »Urbanistische Entwicklung Limyras in der hellenistischen Epoche« werden geoarchäologische Untersuchungen in Limyra und Umgebung durchgeführt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Rekonstruktion der Paläogeografie und der Umweltgeschichte in der ›West-‹ und der ›Oststadt‹ Limyras sowie im Hinterland.

Projektziele und -inhalte


Für das Verständnis der Lage und der paläogeografischen Situation von Limyra und seinem Hinterland ist die raumzeitliche Landschaftsrekonstruktion von großer Bedeutung.

Ziele der Untersuchungen sind die Rekonstruktion

  • der Landschaft, hauptsächlich von der klassisch-griechischen bis zur spätrömischen Epoche,
  • der geohydrologischen Situation,
  • der Mächtigkeit der Siedlungsschichten,
  • der Ausdehnung des früheren Sees,
  • der Erdbebengeschichte und
  • der Veränderung der Küstenlinie.

Methoden

Die Studien zur Paläogeografie von Limyra befassen sich mit der Erforschung von Geo-Bioarchiven in einem archäologischen Kontext. Im vorliegenden Fall sind derartige Archive etwa in der alluvialen Ebene am Hangfuß des Taurus-Gebirges zu finden. Die Bohrungen erfolgen mit einem Schlagbohrhammer (Cobra TT, Fa. Atlas Copco). Zu den Labormethoden zählen sedimentologische und geochemische Analysen sowie makro- und mikrofaunistische Studien. Die chronologische Einordnung beruht auf der 14C-Datierung organischen Materials, der Lumineszenzdatierung (OSL) von Sedimenten sowie der Stratigrafie mittels diagnostischer Keramik.

Bohrungen im Stadtbereich


2015 und 2016 erfolgten 19 Bohrungen mit einer maximalen Teufe von 11 m. Vor allem in der ›Oststadt‹ zeigen viele Bohrkerne eine ähnliche Stratigrafie: Ab 5–6 m u. F. (unter Flur) liegen Seesedimente, in die Torfe als Zeichen der beginnenden, dann aber immer wieder gestoppten Verlandung eingeschaltet sind (›schwimmende Torfe‹). Darüber folgen fluviale Sande unterschiedlicher Körnung, häufig mit ›Fining upward‹-Gradierung (Schotter an der Basis, dann Sande, schließlich Hochflutlehm). Sie geben Auskunft über Flussverlagerungen. Häufig folgen auf die fluvialen Sedimente verschieden mächtige Kulturschichten.

Zwischen der ›Ost-‹ und der ›Weststadt‹ sind in die Seesedimente Sande eingeschaltet, die abrupt enden und von relativ großen Geröllen überdeckt sind. Es sind vermutlich Ablagerungen eines Seeufers, an dem die Menschen siedelten. Für die Besiedlung sprechen die intentional eingebrachten Fremdgerölle, von denen etliche nicht von lokaler Herkunft sind (Fremdgerölle). Danach folgt ein mehrere Dezimeter mächtiger Torf, der in erneute Seesedimente übergeht. Der plötzliche Beginn der Torfbildung könnte mit co-seismischer Senkung zusammenhängen.

Die Bohrungen in der Weststadt zeigen eine andere Stratigrafie: Direkt über pleistozänem Hangschutt liegen Siedlungsschichten, nur in der Bohrung Lim 14 treten fluviale und sumpfige Schichten auf.

Bohrungen außerhalb der antiken Stadt


Zwei Bohrungen befinden sich meerwärts des städtischen Areals. Lim 13 bestätigt die allgemeine Sedimentfolge: über limnischer Fazies (Seesedimente) folgt fluviale (›Fining upward‹-Sequenz: Gerölle, Sande, Hochflutlehm). Es ist anzunehmen, dass der Paläosee aus einer Lagune hervorging, die aufgrund des Zuflusses der aus dem Taurus austretenden, ganzjährig stark schüttenden Karstgewässer schnell aussüßte.

Lim 20 erteufte homogene über fluvialen Sande. Vermutlich sind dies die obersten Schichten eines Strandwalls, dem Dünen aufsitzen. Daher ist die Vermutung, dass der Ursprung des Sees eine Lagune war, die wahrscheinlichste. Sie war offenbar sehr tief, weil bisher keine marinen oder brackischen Fossilien in den oberen 15 m gefunden wurden.