Archäobotanische Bearbeitung eines latènezeitlichen Siedlungszentrums in Haselbach

Im französisch-österreichischen Forschungsprojekt »Keltische Siedlungszentren in Ostösterreich« wird seit 2015 die latènezeitliche Siedlung bei Haselbach (Bez. Korneuburg, NÖ) ergraben und unter anderem auch für archäobotanische Analysen in großem Stil beprobt. Die verkohlt erhaltenen Pflanzenreste sollen dazu beitragen, die landwirtschaftlichen Grundlagen dieses mittelgroßen Zentrums aufzuklären.

Das französisch-österreichische Gemeinschaftsprojekt »Keltische Siedlungszentren in Ostösterreich« unter der Leitung von S. Fichtl und P. Trebsche hat sich zum Ziel gesetzt, die Kenntnis der latènezeitlichen Siedlungsstrukturen der Region zu verbessern und auf Basis der archäologischen Bearbeitung der einzelnen Fundstellen insbesondere auch ihre wirtschaftlichen Grundlagen und ihre Beziehungen untereinander näher zu beleuchten. 

Landwirtschaftlicher Gunstraum


Das Weinviertel mit seinen trockenen und heißen Sommern bietet gemeinsam mit den weitläufigen Schwarzerdeböden auf mächtigen Lössdecken hervorragende landwirtschaftliche Ausgangsbedingungen. Seit der Ankunft der ersten bandkeramischen Siedler wird diese Landschaft intensiv bewirtschaftet, wie bereits zahlreiche archäologische Forschungsarbeiten dokumentieren konnten.

Siedlungsarchäologie latènezeitlicher Flachlandsiedlungen


Auf Basis archäologischer Grabungen, mehr noch dank umfangreicher geophysikalischer Prospektionen konnte der Wissensstand um die Siedlungsstrukturen in Ostösterreich während der Latènezeit deutlich verbessert werden. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass als ›Missing Link‹ zwischen den bekannten Großsiedlungen wie Němčice oder Roseldorf und kleinen dörflichen Strukturen auch mittelgroße Zentren wie jenes bei Haselbach eine erhebliche Rolle in diesem Landschafts- und Wirtschaftsraum gespielt haben.

Landwirtschaftliche Produktionszentren?


Die archäobotanischen Analysen der verkohlt erhaltenen Pflanzenreste haben neben der Untersuchung des angebauten Kulturpflanzenspektrums zum Ziel, Aktivitätszentren innerhalb der Siedlung (zur Getreidelagerung und -verarbeitung) zu ermitteln und zu charakterisieren. Von Interesse sind hier beispielsweise die (sekundären) Verfüllungen der Silogruben. Über Unkrautspektren soll eine ökologische Charakterisierung der Äcker rund um die latènezeitliche Siedlung vorgenommen werden. Das umfangreiche archäobotanische Fundmaterial der Grabung 2015 wurde bereits am VIAS bearbeitet, die Analysen werden nun am ÖAI fortgeführt.