Jaunstein/Podjuna: (Früh-)mittelalterlicher Friedhof

Erforschung der Lebenswelt slawischer Populationen im Ostalpenraum

Der Ostalpenraum erlebte im Frühmittelalter markante Veränderungen, die bis in die Gegenwart nachwirken. Ausgehend von einer Mikroregion werden die Lebensumstände einer dörflich strukturierten slawischen Population, die rund um eine Kirche bestattet wurde, nachgezeichnet. Daraus sind allerdings weitreichende Schlussfolgerungen für spätantik-frühmittelalterliche Transformationsprozesse sowie subsistenzbasierte Siedlungsformen abzuleiten.

Siedlungshistorischer Kontext


Während in der Spätantike (4.–6. Jh.) im Ostalpenraum auf natürlich geschützten Höhen gesiedelt wurde, verlagerten sich im Frühmittelalter die Dörfer in die Ebenen, wo sie in vielen Fällen eine Kontinuität bis in die Gegenwart aufweisen. Dies gilt auch für den Siedlungscluster Globasnitz/Hemmaberg/Jaunstein, an dem die Höhensiedlung im frühen 7. Jh. zerstört und verlassen wird. Ereignisgeschichtlich wird diese Zäsur mit der Einwanderung der zu diesem Zeitpunkt noch slawischen Populationen in Verbindung gebracht. Archäologisch dokumentiert sind massive Zerstörungen der frühchristlichen Kirchen, auf die kein Wiederaufbau folgte, auch fehlen Hinweise auf eine Siedlungskontinuität über das 7. Jh. hinaus.

Es ist daher sehr wahrscheinlich, die frühmittelalterlichen Dörfer in der dem Hemmaberg im Norden vorgelagerten Ebene anzunehmen, wofür sich aus siedlungsarchäologischer und etymologischer Perspektive insbesondere Jaunstein/Podjuna anbietet. Während in den ersten Jahrzehnten slawischer Besiedlung von Dörfern in Holzbauweise sowie von Kremation auszugehen ist, erfolgte mit der Christianisierung ab der Mitte des 8. Jhs. ein Übergang zur Körperbestattung. Etwa gleichzeitig sind erste Kirchenbauten zu vermuten, die allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit noch in Holzbauweise ausgeführt waren. Im Verlauf des 9. Jhs. wurden die ersten Steinkirchen errichtet, um die sich Friedhöfe ausbreiteten. Ab diesem Zeitpunkt sind die karantanischen Slawen auch archäologisch sehr gut greifbar.

Fragestellungen und Methoden


Die systematische Erforschung von Kirche und Friedhof in Jaunstein/Podjuna setzt sich zum Ziel, die Lebensbedingungen der Bewohner der Region im Früh- und Hochmittelalter zu rekonstruieren sowie die Chronologie der Kirche nachzuzeichnen. Als Grundlage dienen 122 Gräber, die 2008/2009 und 2018 ausgegraben wurden, sowie eine Stratigrafie des Kirchenareals, ebenfalls aus dem Jahr 2018.

Einen Schwerpunkt bildet natürlich die chronologische Einordnung der Gräber, die mittels relativstratigrafischer Sequenzierung, aussagekräftiger Schmuck- und Trachtbestandteile sowie durch 14C-Datierungen erfolgt, um den Beginn sowie die Dauer der Bestattungstätigkeit fassen zu können. Mittels osteologischer und paläopathologischer Untersuchungen, ergänzt durch naturwissenschaftliche Untersuchungen, wird Fragen nach Ernährung, Belastungen und Mangelerscheinungen, Krankheitsbildern, aber auch sozialen oder geschlechterdefinierten Unterschieden nachgegangen. Von besonderem Interesse auch in Bezug auf Kontinuitätsfragen sind DNA-Analysen im Vergleich mit bereits vorliegenden Serien aus den Gräberfeldern vom Hemmaberg und aus Globasnitz.

Aber auch der Kirchenbau ist von Interesse, da in Unterkärnten bislang kein einziger aus dem Frühmittelalter archäologisch nachgewiesen, sondern lediglich aus urkundlichen Erwähnungen bekannt ist. Dieses Phänomen ist auch für Jaunstein/Podjuna zu sehen, wo die frühesten Bestattungen aus dem 8. Jh. einen Kirchenbau indizieren, die erste urkundliche Erwähnung allerdings erst 1154 erfolgt. Grabungen im Inneren der Kirche sollen daher Aufschluss über Vorgängerbauten, deren Architektur und zeitliche Einordnung liefern.


Erste Ergebnisse


Christlichen Bestattungssitten folgend, war der überwiegende Teil der Gräber beigabenlos. Glücklicherweise konnte aber auf Basis einiger weniger Tracht- und Schmuckbestandteile der Belegungsbeginn des Friedhofs in das 8. Jh. datiert werden. Besonders aussagekräftig sind einfache Schlaufenohrringe, aber auch Kettchengehänge und halbmondförmige Ohrringe des Köttlach-Karantanischen Kulturkreises, die noch im 9. und 10. Jh. getragen wurden. Diese Schmuckstücke lassen keinen Zweifel daran, dass es sich um eine slawische Bevölkerungsgruppe handelte, die in Jaunstein/Podjuna bestattet wurde.

In der Kirche von Jaunstein/Podjuna konnten eindeutige Evidenzen für Vorgängerbauten gewonnen werden, wobei sich die Ausmaße dieser früheren Phasen deutlich von den späteren unterscheiden. Gräber im Westbereich der Kirche indizieren einen wesentlich kleineren Kirchenbau, der möglicherweise aus Holz bestand. Zu den älteren Phasen gehören auch mehrere Lehmstampfböden, in denen unter anderem Silbermünzen, Friesacher Pfennige, gefunden wurden. Durch deren Bestimmung in das frühe 12. Jh. kann zumindest der urkundlichen Erwähnung der Kirche eine archäologische Bestätigung hinzugefügt werden.

Ausblick


Die Bearbeitung des anthropologischen Materials erfolgt im Rahmen einer Dissertation am Institut für Anthropologie der Universität Wien durch Magdalena Srienc, wofür ein Antrag für ein DOC-Stipendium an der ÖAW eingereicht wurde. Erste Ergebnisse des Forschungsprojekts sollen bereits im Jahr 2020 anlässlich der Gedenkfeiern des Landes Kärnten anlässlich 100 Jahre Volksabstimmung im Pilgermuseum Globasnitz präsentiert und damit die frühmittelalterlich slawische Geschichte des Landes in den Fokus der Aufmerksamkeit gestellt werden.