Isotopen- und DNA-Analysen zur ephesischen Bevölkerung

Seit dem Jahr 2011 werden in Ephesos im Rahmen der Nekropolenforschungen Strontiumisotopen- und DNA-Analysen durchgeführt, um die ephesische Bevölkerung oder einzelne Individuen hinsichtlich ihrer Herkunft und Abstammung näher betrachten zu können.

DNA-Analysen menschlicher Überreste haben in den letzten drei Jahrzehnten wesentliche neue Erkenntnisse geliefert: einerseits Einblicke in Bevölkerungsstrukturen, Migrationsverhalten und Kolonisation unbesiedelter Landstriche, andererseits Momentaufnahmen alltäglicher Lebenssituationen wie Verbreitung von Krankheiten und soziale Bindungen. 

Methoden


In Ephesos wurden in diesem Kontext zahlreiche Individuen unterschiedlicher Zeitstellung und unterschiedlicher topografischer Zuordnung beprobt. Die mütterlichen Abstammungslinien, die bis dato durch Analyse der mitochondrialen DNA bestimmt wurden, zeichnen dabei ein hochkomplexes Bild der ephesischen Bevölkerung. Ergänzt werden diese Analysen durch punktuelle DNA-Analysen des Zellkerns, die in Zusammenarbeit mit J. Krause (Max-Planck-Institut, Jena) aktuell durchgeführt werden.

Die DNA-Analysen werden um Analysen der stabilen Strontiumisotopen ergänzt. Sie bieten Informationen zur geografischen Herkunft eines Individuums. Die Werte dieser Isotopen sind eindeutige Marker in der Geologie einer Landschaft und seit der Antike im Wesentlichen unverändert. Werden nun Proben von Zähnen eines Menschen genommen, kann im Idealfall der Ort bestimmt werden, an dem das Individuum aufwuchs oder es das restliche Leben verbracht hat.

Im Sommer 2016 wurden in Ephesos und seinem Umland rezente pflanzliche Proben sowie Schneckenhäuser aufgesammelt, um Referenzwerte für Strontiumisotopen und die tatsächliche Absorption durch Nahrungsaufnahme zu erhalten. Die diesbezüglichen Isotopenanalysen werden in Kooperation mit M. Richards und M. Wong (Simon Fraser University, Kanada) durchgeführt. Die Forschungen erfolgen zudem in enger Zusammenarbeit mit dem Department für Bioarchäologie am ÖAI.

Vorläufige Ergebnisse


Vorläufige Analysen der menschlichen Überreste aus der Westnekropole zeigen eine überaus komplexe Verteilung der mütterlichen Abstammungslinien innerhalb der ephesischen Bevölkerung. So lassen sich sowohl europäische Abstammungslinien als auch solche asiatischen und/oder afrikanischen Ursprungs nachweisen. Dies charakterisiert das römische Ephesos als einen Schmelztiegel von Menschen von nah und fern, gleichsam aus ›allen Ecken der Welt‹.