Griechische Vasen des 9. bis 5. Jahrhunderts v. Chr. aus Sammlungen der Universität Wien

Griechische und etruskische Vasen aus der Archäologischen Sammlung des Instituts für Klassische Archäologie (IKA) und der Studiensammlung des Instituts für Urgeschichte und Historische Archäologie (IUHA) der Universität Wien stehen im Fokus dieses Projekts. Als Vorbereitung für die Publikation in der Reihe »Corpus Vasorum Antiquorum« (CVA) werden etwa 200 Gefäße der geometrischen, archaischen und frühklassischen Zeit mit geistes- und naturwissenschaftlichen Methoden analysiert und, falls nötig, einer Restaurierung unterzogen.

Ziel

Dem Ziel dieses Projekts, der umfassenden Publikation von etwa 200 ganzen Gefäßen und Fragmenten aus der Archäologischen Sammlung des IKA und fünf aus der Studiensammlung des IUHA, geht eine umfangreiche wissenschaftliche Bearbeitung voraus. Als neuer CVA-Band Wien, Universität, sollen diese Objekte der internationalen Vasenforschung zur Verfügung gestellt werden.

Vorgehensweise

Die Bearbeitung umfasst gemäß den Richtlinien des deutschsprachigen CVA eine detaillierte Beschreibung jedes Einzelstücks, eine Datierung und möglichst eine Zuschreibung (Werkstatt, Töpfer oder Maler) sowie einen wissenschaftlichen Kommentar zu Aspekten wie Chronologie, Materialien, Form und Ikonografie. Vor dem Erstellen der Fotografien müssen mindestens 40 % aller Gefäße und Fragmente gereinigt und/oder restauriert werden. Die Eliminierung doppelter Inventarisierungen, die Zusammensetzung von Vasen, die in fragmentierter Form in die Sammlung kamen, aber auch umfangreiche Provenienzforschungen gehören ebenso zu den Aufgaben.

Verwendete Methoden

Neben geisteswissenschaftlichen kommen auch naturwissenschaftliche Methoden zum Einsatz. Ein berührungsfreier 3D-Scan wird die Erhebung von Einzelmaßen, die Rekonstruktion von Profil- und Schnittzeichnungen, von Umzeichnungen oder Abrollungen figürlicher Darstellungen sowie der Errechnung des ursprünglichen Gefäßvolumens ermöglichen. Die auf diese Weise erhobenen Daten werden in die ODEEG-Datenbank des ÖAI eingespeist und können so als Grundlage für weitere Forschungen über Größen- und Maßverhältnisse griechischer Vasen dienen.

Sollten kunsthistorische Methoden nicht ausreichen, werden einige Fragmente einer Neutronen-Aktivierungs-Analyse (NAA) unterzogen, um anhand der Tonzusammensetzung die Produktionsstätte zu bestimmen. Mehrere Objekte werden mit Röntgen-Fluoreszenz-Analyse untersucht, um moderne Hinzufügungen, Übermalungen oder verblasste Zeichnungen zu erkennen.

Umgang mit dem bereits vorliegenden CVA-Band

Die damalige Sammlungsassistentin Hedwig Kenner hatte 1942 bereits einen CVA-Band mit Objekten aus der Archäologischen Sammlung des Instituts für Klassische Archäologie publiziert, darunter 61 Gefäße und Fragmente der geometrischen, archaischen und frühklassischen Zeit. Diese sollen im Rahmen des Projekts überprüft werden, denn sowohl die Vasenforschung als auch die Restaurierungswissenschaft haben sich in den vergangenen 80 Jahren deutlich weiterentwickelt. Ein Beispiel für Ersteres bietet das Kännchen Arch. Slg. Inv. 952, das 1935 mit der Angabe »aus Smyrna« der Archäologischen Sammlung geschenkt wurde. Die Einordnung als »ostgriechisch geometrisch« kann heute als überholt angesehen werden, eine Klassifizierung als »spätkorinthisch II« ist deutlich wahrscheinlicher; Forschungen zu dieser Phase korinthischer Gefäßkeramik nach der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. gibt es aber erst seit dem Beginn der 1960er-Jahre im Zusammenhang mit der Erforschung der Nord-Nekropole von Korinth.

Bereits 1942 publizierte Vasen können auch durch eine inzwischen erfolgte oder jetzt vorzunehmende Restaurierung neue Einsichten gewähren. In jedem Fall werden sie neu bearbeitet und Eingang in den neuen CVA-Band finden. Der Erkenntnisgewinn in Bereichen wie Ikonografie, Herstellungstechnik oder Provenienzforschung wird sehr hoch avisiert, da bislang nur 37 % der zu bearbeitenden Gefäße und Fragmente publiziert sind.