Kochen in Ephesos: eine diachrone Perspektive

Kochen ist eine der ältesten und bedeutendsten menschlichen Kulturtechniken. Die antike Großstadt Ephesos bietet sich durch den reicherhaltenen Befund- und Fundbestand und durch den herausragenden Forschungsstand für eine interdisziplinäre diachrone Analyse des Themas an, die einen weiten zeitlichen Rahmen von der archaischen bis in die byzantinische Zeit umfassen soll.

Dem Projekt liegt die Annahme zugrunde, dass Kochsitten keine statische kulturelle Komponente darstellen, sondern sich kontinuierlich verändern und einem Zusammenspiel von Tradition, Innovation und Einflüssen unterliegen.

Materielle Kultur des Kochens


Während organische Materialien sowie Metallgefäße nur selten erhalten blieben, stellen die in großer Zahl vorhandenen Keramikgefäße, in denen gekocht wurde, die wichtigsten Zeugnisse für antike Kochprozesse dar. Die Definition und präzise typologische Klassifizierung sowie die diachrone Entwicklung der in Ephesos verwendeten Küchenwaren bilden daher die Grundlage für weiterführende Interpretationen. Auch Gefäße aus anderen Materialien und Geräte, die im Kochprozess Verwendung fanden (z. B. Handmühlen, Spieße, portable Öfen) sollen einbezogen werden.

Archäometrie


Mit der archäometrischen Identifikation der für das Kochgeschirr verwendeten Tonrezepturen und der Unterscheidung zwischen lokal-regionalen Produkten und Importen sollen nicht nur Fragen zu Konsum und Handel behandelt, sondern auch Traditionen und Adaptionen von Koch- und Speisesitten analysiert werden. Die funktionale Interpretation der Gefäße und möglicher sekundärer Modifizierungen sowie der spezifischen mechanischen und thermische Eigenschaften von Kochgefäßen sollen Aufschluss über antike Kochpraktiken geben.

Topografie des Kochens


Im Zuge des Projekts soll auch die Topografie des Kochens in Ephesos beforscht werden: Wo liegen in Ephesos technische Einrichtungen zum Kochen wie Feuerstellen und regelrechte Küchen, wo und wann kamen tragbare Gerätschaften wie mobile Herde zum Einsatz? Wie ist die diachrone Entwicklung des Kochvorgangs in Bezug auf seine Organisation zu beurteilen?

Küchenware im Kontext


Darüber hinaus sollen ausgewählte ephesische Fundkomplexe unter dem Aspekt »Funktion und Interpretation von Küchenware im Kontext« für eine vergleichende Analyse herangezogen werden, so etwa Küchenware aus Küchen und Vorratsräumen, Küchenware aus privaten Haushalten, Küchenware im öffentlichen Bereich und Küchenware aus rituellen Kontexten.

Bioarchäologie


Das vorgestellte Projekt ist eng verbunden mit dem bioarchäologischen Forschungsschwerpunkt in Ephesos und bildet unter anderem durch geplante Rückstandsanalysen eine sehr gute Ergänzung zu einem Projekt über Ernährungsmuster der ephesischen Bevölkerung. Es ist Teil des 5. Wissenschaftlichen Netzwerks der Abteilung Istanbul des DAI 2017–2019 zum Thema «Essen in Anatolien und seinen Nachbarregionen».