GESCHICHTE DES ÖSTERREICHISCHEN ARCHÄOLOGISCHEN INSTITUTS

Das Österreichische Archäologische Institut wurde im Jahre 1898 als Reaktion auf die extrem erfolgreichen Grabungen in Ephesos (seit 1895) gegründet. Nachdem das ÖAI über lange Jahre eine nachgeordnete Dienststelle des Bundesministeriums für Wissenschaft war, ist es seit 1. 1. 2016 eine Forschungseinrichtung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Zentrale Wien sowie in den Zweigstellen in Athen und Kairo sind verantwortlich für zahlreiche archäologische Projekte im In- und Ausland. Der bekannteste Forschungsplatz des ÖAI ist Ephesos an der Westküste der Türkei.

Am 1. Oktober 1898 begann das k.k. Österreichische Archäologische Institut in Wien mit seinen wissenschaftlichen Aktivitäten. Etwa eineinhalb Jahre zuvor hatte Kaiser Franz Josef I. mit seiner Unterschrift die Genehmigung zur Gründung des Instituts erteilt. Zu dieser Zeit hatte das ÖAI die Aufgabe, alle Aktivitäten der Monarchie auf dem Gebiet der Klassischen Archäologie zu vereinen. Dazu gehörten wissenschaftliche Forschung (speziell Ausgrabungen im In- und Ausland sowie deren Publikation), die Administration der damals zu Österreich gehörigen Museen in Aquileia, Pula, Zadar und Split sowie die Vergabe von Auslandsstipendien.

Die Auslandsstationen des k.k. Ministeriums für Cultus und Unterricht in Konstantinopel/Istanbul, Smyrna/Izmir und Athen wurden 1898 von dem ÖAI übernommen. Das Sekretariat in Konstantinopel wurde 1901 aufgelassen, während in Athen die Büros in ein eigenes Gebäude übersiedelten. Das Institutsgebäude der Zweigstelle Athen wurde nach Plänen des Architekten Ernst Ziller auf einem vom griechischen Staat zu diesem Zweck geschenkten Grundstück an der Leoforos Alexandras errichtet und 1908 eröffnet. Von 1947 bis 2003 war auch die Österreichische Botschaft in diesem Gebäude untergebracht.

Die Ausgrabungen in Ephesos begannen 1895 unter der Direktion des Instituts und standen anfangs unter der Kontrolle der Zweigstelle in Smyrna. In Griechenland unternahm das ÖAI regionale Surveys in Lousoi, Elis und Aigeira (Peloponnes) – Orte, die wie Ephesos im Fokus österreichischer archäologischer Forschungen blieben.

In den wirtschaftlich schwierigen Zeiten nach dem Zusammenbruch der Monarchie gelang es dem Institut, aktiv zu bleiben, doch wurde die Zweigstelle in Izmir aufgelassen und der Personalstand auf ein Minimum reduziert. Sein Fortbestehen konnte in der Folge jedoch nur durch seine Eingliederung in die Universität Wien (1935) gesichert werden. Aber auch in diesen schwierigen Zeiten konnten zahlreiche Forschungsprojekte vorangetrieben werden, darunter die Freilegung und Konservierung des Amphitheaters II von Carnuntum in den 1920er Jahren.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich (1938) verlor das Institut 1939 seine Unabhängigkeit und wurde Zweigstelle des Archäologischen Instituts des Deutschen Reichs. 1954 konnte der Status von 1935 wiederhergestellt werden.

Mit einer nur kleinen Belegschaft setzte das ÖAI seine wissenschaftlichen Aktivitäten nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem mit Ausgrabungen im Inland fort. In den 1950er Jahren wurden die Ausgrabungen in Ephesos erneut aufgenommen, 1964 wurde die Zweigstelle in Athen wiedereröffnet und 1973 zudem eine Zweigstelle in Kairo gegründet.