BIOARCHÄOLOGIE

Das Department für Bioarchäologie ist mit der AG Anthropologie und Nekropolenforschung, AG Archäozoologie und der AG Archäobotanik Teil des ÖAI. Die Bioarchäologie ist ein integraler Bestandteil der archäologischen Forschungen für die Rekonstruktion und Beantwortung sozioökonomischer, historisch-kultureller und umweltgeschichtlicher Fragestellungen. Die Verankerung des Departments an einer archäologischen Institution erlaubt unter Nutzung der sich ergebenden Synergieeffekte die Konzeption und Ausführung interdisziplinärer nationaler und internationaler ausgerichteter Forschungsprojekte. 

Die Bioarchäologie befasst sich mit organischen Resten des Fundgutes aus archäologischen Ausgrabungen im Rahmen der wissenschaftlichen Disziplinen Anthropologie, Archäozoologie und Archäobotanik. Die Osteologie beschäftigt sich mit Knochen, wobei die Anthropologie die menschlichen, die Archäozoologie die tierischen Überreste bearbeitet. Knochen und Skelette liefern eine Fülle von Informationen über die Lebensbedingungen, das Geschlecht und Alter, die Herkunft und Verwandtschaft oder den Gesundheitszustand der Menschen und Tiere. Die Bestimmung und Interpretation pflanzlicher Reste aus archäologischen Grabungen fällt in den Bereich der Archäobotanik. Archäobotanische Reste gestalten sich mannigfaltig, sie reichen von unscheinbaren verkohlten Samen und Körnern, über winzige Pollen bis hin zu Bauholz oder wertvollen Mobiliarhölzern.

Die Beziehung von Mensch – Tier – Pflanze steht im Fokus vieler archäologischer Fragestellungen, so der Rekonstruktion von Vegetations-, Landwirtschafts- und Umweltgeschichte im Raum Ephesos über einen sehr langen Zeitraum hinweg. Grundlegend ist die Erforschung von Ernährung und Ernährungsstrategien – der Tierzucht, Fischerei oder der Geschichte der Zubereitung von Brot. Bioarchäologische Untersuchungen können auch Fragen wie Handel, Kult oder soziale Schichtungen von Gesellschaften in Form aussagekräftiger Funde oder durch Analysen von Bestattungen beantworten. In aktuellen Projekten werden mithilfe moderner biomolekularer Methoden an bioarchäologischen Überresten Ernährungsweisen durch die Untersuchung stabiler Isotopen rekonstruiert oder der Fragestellung nach Verwandtschaft, Herkunft sowie Anwesenheit und Evolution von Krankheiten mittels DNA-Analysen nachgegangen.