ARCHÄOMETRIE

Die Einheit Archäometrie befasst sich mit der Anwendung analytischer naturwissenschaftlicher Methoden auf archäologische Befunde, um ihre Nutzung, Herstellungsweisen und -orte zu bestimmen. Durch die Bestimmung der Produktionsorte lassen sich regionale und überregionale Austauschnetze und Handelsbeziehungen rekonstruieren. Hierfür ist der Abgleich mit geologischen Karten, Rohstoffproben, lokalen Referenzmaterialien (z. B. Fehlbränden) und archäometrischen Datenbanken von Bedeutung.

Die Herstellungsweisen und vor allem die Homogenität, Sorgfältigkeit und Funktionalität der einzelnen technologischen Vorgänge, die von der Gewinnung der Rohstoffe über Prozesse ihrer Umwandlung bis zu fertigen Artefakten führen (chaîne opératoire), deuten auf den Grad und die Form handwerklicher Spezialisierung und Standardisierung. Diese Parameter sind Indikatoren für wirtschaftliche, kulturelle und politische Entwicklungen.

Die angewandten Methoden sind naturwissenschaftliche aus den Bereichen der Mathematik, Chemie oder auch Physik und werden anhand der Fragestellungen und Eigenschaften der Materialien und ihrer Fundkontexte ausgewählt. Sie reichen von zerstörungsfreien bis zu destruktiven Analysen, um die kompositionellen (bulk und in situ), morphologischen und strukturellen Zusammensetzungen der Materialen zu untersuchen. Einen Schwerpunkt der Einheit bildet die Untersuchung technologischer Aspekte während langer Zeitabfolgen und/oder mit makroregionaler Verbreitung, um Mechanismen der Kenntnisübertragung, Innovation und Traditionen zu erforschen.

Dank der Verankerung an einem archäologischen Institut und der Kooperation mit nationalen und internationalen Expertinnen und Experten unterschiedlicher Disziplinen umfassen die aktuellen Projekte ein breites chronologisches, geografisches und methodisches Spektrum, das es erlaubt, innovative archäometrische Anwendungen mit weitreichenden archäologischen Fragestellungen zu entwickeln.