Ephesos: Die spätantik-frühbyzantinische Wohnstadt

Projektleitung:

A. Pülz


Nach ausgedehnten Reinigungsarbeiten in der Unterstadt von Ephesos wurden besonders im Bereich zwischen der Marienkirche und der Arkadiane zahlreiche Mauerzüge wieder sichtbar, die in den letzten Jahren des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts als mittelalterliche Bauschichten und somit als Teil der nachantiken Stadt interpretiert worden waren. 

Die massiven Überbauungen lassen sich besonders im Bereich des Hafengymnasiums und der Verulanushallen erkennen. Es handelt sich hierbei um Wohnhäuser, die bautypologisch ganz in der hellenistisch-römischen Tradition stehen (Peristylhäuser). Polychrome opus sectile Böden sowie mehrfarbige Mosaikpavimente zeugen von der ehemals exquisiten Ausstattung der Häuser und damit von der Prosperität ihrer Besitzer. Da es sich bei der Bebauung nicht etwa um ein einzelnes Haus, sondern vielmehr um eine ganze Reihe von Wohneinheiten über der Palästra des Hafengymnasiums und über den Verulanushallen handelt, die - soweit noch erkennbar - nach einem Schema und nach einem Bauplan errichtet worden sind, ist eine Interpretation als Teil der spätantik-frühbyzantinischen Wohnstadt wahrscheinlich.

Die erwähnten Wohnhäuser, die neuen Befunde im ‚Byzantinischen Palast’ als auch die Ergebnisse der geophysikalischen Prospektionen der letzten Jahre, die ähnliche Überbauungen auch südlich der Arkadiane anzuzeigen scheinen, weisen auf tief greifende Veränderungen in der Unterstadt von Ephesos spätestens im 5. Jahrhundert n. Chr. hin.

Im Zuge der laufenden Untersuchungen wird auch die Bedeutung dieser Wohnareale für urbanistische Fragestellungen überprüft und untersucht, inwieweit Aufschlüsse über das Stadtgefüge des spätantik-frühbyzantinischen Ephesos (politisches bzw. kirchliches Zentrum, Wohnareale, allg. öffentliche Räume wie Straßen, Plätze etc.) abgeleitet werden können.