28.09.2022 | Digitaler Ausfall

Internet-Blackout: Krisenmanagement muss weiter gestärkt werden

Ein Team von Expert:innen, darunter Technikfolgenforscher der ÖAW, empfiehlt Krisenstäben mehr Trainings, verstärkte Ausbildung und bessere Vernetzung, um bei einem großflächigen Internet-Blackout schnell reagieren zu können.

Bild eines zerrissenen Datenkabels
Ist das Internet längerfristig nicht mehr verfügbar, hat das gravierende Auswirkungen auf unterschiedlichste Lebensbereiche. © Adobe Stock/Novikov

Zwei Jahre lang hat sich ein interdisziplinäres Expert:innen-Team, geleitet vom Institut für Produktionswirtschaft und Logistik (BOKU Wien) und mit Beteiligung von Forschern des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), mit den möglichen Konsequenzen eines großflächigen Internetausfalls in Österreich beschäftigt. Dabei ging es nicht nur um die Frage, wo Abhängigkeiten bestehen, und was dann noch oder nicht mehr gehen wird. Durch den Einsatz von sogenannten Causal Loop-Modellierungen einzelner Sektoren wurde es möglich, auch die Auslöser für selbstverstärkende Kaskadeneffekte zu eruieren. Mögliche Strategien für die Vorbereitung auf eine solche Krise und den Umgang damit wurden in zahlreichen Workshops und einer großangelegten Übung auch mit den Betreibern kritischer Infrastrukturen durchgespielt und verbessert.

Massive Auswirkungen auf vielen Ebenen

Klar sei, so die Expert:innen, dass eine derartige Krise einen massiven Einschnitt im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben Österreichs darstellen würde. Bei der Vorstellung der Projektergebnisse am 28. September 2022 im Hafen Freudenau präsentierte das Konsortium Vorschläge für den Umgang mit vernetzten Krisen und gab Empfehlungen ab, um die Resilienz – also die Widerstandsfähigkeit – kritischer Infrastrukturen, wie etwa dem Gesundheitswesen, zu verbessern. Ein besonderer Fokus wurde dabei auf die Arbeit des staatlichen Krisen- und Katastrophenschutzmanagements gelegt. „Wir müssen lernen, mit Unsicherheiten umzugehen. Nur so können wir unter schwierigen Bedingungen effektiv auf die veränderten Szenarien, die sich bei vernetzten Krisen ergeben, reagieren“, betont Projektleiter Manfred Gronalt von der BOKU.

Bei einem Ausfall wären unterschiedliche Sektoren auch unterschiedlich stark betroffen. So würde z.B. die Strom- und Wasserversorgung mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter zuverlässig funktionieren. Bereiche wie das Transportwesen, der Finanzsektor oder Sicherheitstechnik könnten aber nur unter starken Einschränkungen, wenn überhaupt, weiter funktionieren. Je nach auslösender Ursache wäre auch ein Ausfall aller Kommunikationsverbindungen wahrscheinlich.

Mit Unsicherheiten umgehen, schnell reagieren

Ganz allgemein sei in dieser Situation, wie bei vielen vernetzten Krisen, davon auszugehen, dass es zu einer sehr komplexen Situation mit hoher Dynamik kommen wird, in der Entscheidungen immer unter Unsicherheit getroffen werden müssen. Diese verbleibenden Unsicherheiten über die Lageentwicklung nach einem derartigen Ereignis lassen sich nicht restlos ausräumen. Um die Handlungsfähigkeit in der Krise zu erhalten, ist es nach Ansicht der Expert:innen notwendig, bereits bestehende autarke Netzsegmente miteinander zu verbinden, mehr Ressourcen in die Ausbildung der krisenbewältigenden Organisationen zu investieren, und das Handeln in vernetzten Krisen weiter zu trainieren.

„Es bleiben jedenfalls Fragen, die uns weiter beschäftigen werden“, betont ÖAW-Technikfolgenforscher Jaro Krieger-Lamina. „Was bedeutet es, wenn viele zukünftige Technologien sich auf eine funktionierende Internetverbindung verlassen? Wenn Konvergenz in der Infrastruktur und die Entwicklung Richtung mehr Effizienz ausgleichende Elemente aus Systemen entfernen? Dies gilt es weiter zu beobachten und, wenn notwendig, zu verbessern.“ 

 

Auf einen Blick

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