KOMMISSION FÜR GESCHICHTE UND PHILOSOPHIE DER WISSENSCHAFTEN


Das Allgemeine Krankenhaus im Jahr 1834. © Bildarchiv Josephinum, Sammlungen der Medizinischen Universität Wien

Arbeitsgruppe Geschichte der Medizin


Lokale Strukturen und globale Netzwerke der "Wiener Medizin" 1848-1955

Die Analyse der internationalen Wissenschaftsbeziehungen der „Wiener Medizin“ in den Jahren zwischen 1848 und 1955 und der Aufbau ihrer Netzwerke ist seit langem ein Forschungsdesiderat. Die Geschichte der Medizin in Wien wurde bisher vielfach als Geschichte erfolgreicher Schulen geschrieben. Die sogenannte „Zweite Wiener Medizinische Schule“ als eine Repräsentationsform der „Wiener Medizin“ erreichte ein hohes Prestige durch lokale Innovationen, entstanden im kreativen und intellektuell produktiven Milieu der Reichsmetropole Wien. „Wiener Medizin“ orientierte sich generell international, wodurch die Medizinische Fakultät der Universität Wien zu einem Zentrum medizinischen Wissenstransfers wurde. Relativ wenig erforscht wurden bisher die sozialen und politischen Strukturen sowie die internationalen Einflüsse, welche Forschung, Lehre und Klinik prägten und den Aufbau internationaler Netzwerke förderten.

Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe Geschichte der Medizin stellt sich zur Aufgabe, die wissenschaftlichen, politisch-ökonomischen, rechtlichen, sozialen und kulturellen Einflussfaktoren und Strukturen zu untersuchen, die dazu beitrugen, dass sich eine „Wiener Medizin“ herausbilden konnte. Durch eine Darstellung der komplexen Beziehungen zwischen einzelnen AkteurInnen und ihrem Umfeld sowie zwischen den akademischen, medizinischen und standespolitischen Institutionen, denen sie angehörten, können Netzwerke im regionalen, europäischen sowie internationalen Raum rekonstruiert werden. Ein weiteres Themenspektrum betrifft die Auswirkungen dieser Netzwerke auf Forschung, Ausbildung, Karrierewege, medizinische Praxis und Memoralisierung im regionalen und internationalen Feld. Einen Schwerpunkt bilden auch hier die Wechselbeziehungen zwischen Politik und Medizin, die besonders im Streben nach einer „gesunden Gesellschaft“ neue Forschungsfragen aufwerfen.


Projektleitung:

  • w.M. Helmut DENK
  • Felicitas SEEBACHER 


Weitere (ehrenamtliche) Mitglieder der Projektgruppe:

Wissenschaftliche Beratung:

Heiner Fangerau
Hans-Georg Hofer
Brigitte Lohff
Paul Weindling


Organisationsteam:

Daniela Angetter
Christiane Druml
Dominika Flomyn
Afsaneh Gächter
Franz Kainberger
Birgit Nemec
Herbert Posch
Andrea Schwanzl


Unterstützende Mitglieder der Arbeitsgruppe:

Andrea Korenjak
Hans-Peter Petutschnig
w.M. Giulio Superti-Furga

Wissenschaftliche Mitarbeit:

Monika Ankele
Marcel Chahrour
Herwig Czech
Anne-Kristin Fischer
w.M. Konstanze Fliedl
Katja Geiger
w.M. Patrizia Giampieri-Deutsch
Eva Hallama
Gernot Heiss
Marina Hilber
Michael Hubenstorf
Tomoyo Kaba
Franz X. Lackner
Bernhard Leitner
Sepp Leodolter
Thomas Mayer
Michael Memmer
Katrin Pilz
Andrea Praschinger
Ilse Reiter-Zatloukal 
Ursula Rokitansky
Julia Rüdiger
Karl Sablik
Barbara Sauer
Wolfgang Schütz
Petr Svobodný
Herwig Swoboda
Georg Vasold
Ilsemarie Walter
Carlos Watzka
Hermann Zeitlhofer


Nationale Kooperationen:


Publikationen:

Bereits erschienen:

Daniela Angetter/Christine Kanzler, „… sofort alles zu veranlassen, damit der Jude als Arzt verschwindet“. Jüdische Ärztinnen und Ärzte in Wien 1938-1945, in: Herwig Czech/Paul Weindling (ed.), Austrian Physicians and National Socialism, DÖW-Jahresheft (März 2017).

Herwig Czech, Von der Richtstätte auf den Seziertisch. Zur anatomischen Verwertung von NS-Opfern in Wien, Innsbruck und Graz, in: Jahrbuch des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (2015), 141–190.

Dr. Hans Asperger und die „Kindereuthanasie“ in Wien – mögliche Verbindungen, in: Arnold Pollak (Hg.), Auf den Spuren Hans Aspergers. Fokus Asperger-Syndrom: Gestern, Heute, Morgen, Stuttgart: Schattauer Verlag  2015, 24–29.

„Man muss den Kopf abtreiben, damit nicht die Glieder wieder nachwachsen“. Anmerkungen zur Entnazifizierung der Medizin in Österreich, in: Lucile Dreidemy et al. (Hg.), Bananen, Cola, Zeitgeschichte. Oliver Rathkolb und das lange 20. Jahrhundert, Band 1, Wien–Köln–Weimar: Böhlau 2015, 357–371.

"Beyond Spiegelgrund und Berkatit: Human Experimentation and Coerced Research at the Vienna School of Medicine, 1939 to 1945", in: Paul Weindling et al. (Hg.), From Clinic to Concentration Camp. Reassessing Nazi Medical and Racial Research, 1933–1945, New York et al.: Routledge 2017, 138–162.

Afsaneh Gächter, Medicine and Anthropology: the ‘Ambassador Physician’ Jacob E. Polak as a Mediator of Modernity in Iran, in: Anna Krasnowolska/Renata Rusek-Kowalska (ed), Studies on the Iranian World II - Medieval and Modern, Kraków: Jagiellonian University Press 2015, 329–346.

Ein Forschungsreisender in Persien - Der Mediziner und Naturforscher Jacob E. Polak (1818-1891), in: Seidl, Johannes; Kästner, Ingrid; Kiefer, Jürgen (Hg.): Deutsche und österreichische Forschungsreisende auf dem Balkan und nach Nahost. Aachen: Shaker Verlag 2017, 203-216.

Patrizia Giampieri-Deutsch, Ansätze zur Frage der Voraussage in der Psychoanalyse und in den Psychotherapiewissenschaften vom geschichtsphilosophischen, klinischen und empirischen Standpunkt, in: Reinhard Bachleitner/Martin Weichbold/Markus Pausch, Wissenschaftstheoretische und methodologische Problemlagen empirischer Voraussagen und statistischer Vorhersagen, Vienna–New York: Springer 2016, 202–220.

Towards living subjective experience, in: Donata Schoeller/Vera Saller (Hg.), Thinking Thinking: Practicing Radical Reflectivity, Freiburg in Breisgau-München: Verlag Karl Alber 2016, 226-237.

Nach Leibnitz: die Entwicklung der Auffassung eines nicht-bewussten Denkens bei Freud, in: Studia Leibnitiana Supplement 39 (2017), 237-254.

Ansätze zur Frage der Voraussage in der Psychoanalyse und in den Psychotherapiewissenschaften vom geschichtsphilosophischen, klinischen und empirischen Standpunkt, in: Reinhard Bachleitner/Martin Weichbold/Markus Pausch (Hg.), Wissenschaftstheoretische und methodologische Problemlagen empirischer Voraussagen und statistischer Vorhersagen Vienna–New York: Springer 2016, 202-220.

Andrea Korenjak, Music, Medicine, and Psychiatry in Late 18th and First Half 19th Century Vienna, in: Hroar Klempe (ed.), Cultural Psychology of Musical Experiences, Charlotte, NC: Information Age Publishing 2016, 181-205.

Wolfgang Schütz, Der Umgang der österreichischen Ärzteschaft mit der NS-Vergangenheit, in: Österreichische Ärzte und Ärztinnen im Nationalsozialismus, hrsg. von Herwig Czech und Paul Weindling im Auftrag des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, Wien 2017 (= Jahrbuch 2017), 211–2202.

Felicitas Seebacher, Communicating Politics in the Dissecting Room. The Influence of Medical Students and Physicians from Prague Charles-Ferdinand University on the Liberal Model of Human Progress at Vienna University, in: Dějiny Věd a Techniky XLVIII (2015) 4, 217–228.

In Druck:

Afsaneh Gächter, Jakob Eduard Polak and his book Persien, in: Encyclopædia Iranica. New York, Columbia University, Centre for Iranian Studies 2017.