Wenn Drohnen vom Himmel fallen

Der Drohnen-Boom und seine Folgen – 180 TeilnehmerInnen beim Science Talk in der Aula der Wissenschaften

Von der Besamung in der Landwirtschaft über Kartographie oder Rettungseinsätze in schwer zugänglichen Gebieten - Drohnen bieteten eine Vielzahl an Anwendungsmöglichkeiten. Aber was würde passieren, wenn zivile Drohnen den Einsatz von Rettungshubschraubern behindern?

Was für Auswirkungen hätte ein vermehrter Einsatz von unbemannten Flugkörpern auf die Tierwelt? Wo darf man mit Drohnen überhaupt fliegen? Diese und ähnliche Fragen wurden beim BMWFW Science Talk, der diesmal in Zusammenarbeit mit dem ITA organisiert wurde, beantwortet. ITA-Leiter Michael Nentwich stellte sich dabei gemeinsam mit drei weiteren DrohnenexpertInnen den Fragen des Publikums.

Wer darf wann, wo fliegen?

Diskutiert wurden die rechtliche Situation in Österreich ebenso wie ethische Fragen rund um den Schutz der Privatsphäre. „Wir sind davon überzeugt, dass der breite Einsatz von zivilen Drohnen nur gelingen kann, wenn wir uns bereits heute auf mögliche kritische Szenarien vorbereiten“, betonte Nentwich. Rechtsanwalt Joachim Janeciz brach eine Lanze für den österreichischen Gesetzgeber: Im Vergleich zu den USA oder anderen EU-Ländern wäre die Regulierung für den Einsatz von Drohnen in Österreich derzeit ausreichend. Probleme gäbe es aber noch beim privaten Einsatz von Drohnen. Michael Nentwich verwies auf Lücken beim Schutz der Privatsphäre, das Fehlen praktischer Verkehrsregeln und die mangelnden rechtlichen Kenntnisse vieler privater DrohnenpilotInnen.

Hausverstand ausreichend?

Anders sah es Patrick Brandstätter, Geschäftsführer des Drohnen-Produzenten Airborne Robotics: „Ich glaube, wenn wir alle unseren Hausverstand einsetzen, wird es mit der Massenanwendung von Drohnen keine unlösbaren Probleme geben“, so Brandstätter. Annette Mossel, Projektleiterin des SmartCopter-Projekts an der TU-Wien, erforscht derzeit u.a. die Kommunikationsmöglichkeiten von autonomen Drohnen-Schwärmen. Sie sieht auch in der begrenzten Reichweite der derzeit technisch umsetzbaren Modelle ein Hindernis. Eine Paketdrohne schafft derzeit gerade einmal 16km Flug. Nun werde erprobt, für Paketdrohnen so genannte „Relais-Stationen“ einzurichten. Eine Lieferung könnte so in der Zukunft zunächst durch mehrere Drohnen erfolgen, die das Paket untereinander weitergeben.

Tödliche Unfälle möglich

Aus dem Publikum kamen primär Bedenken zur Regulierung des Einsatzes ziviler Drohnen. Der Leiter einer österreichischen Rettungshubschrauber-Firma betonte die Gefahren für Menschenleben, wenn Drohnen den Hubschraubereinsatz auf niedriger Höhe behindern. Ein anderer Aspekt war die Unzuverlässigkeit der käuflich erwerblichen Billigdrohnen. „Es gibt das Risiko, dass Drohnen mit etwas kollidieren oder einfach bei Problemen vom Himmel stürzen. Darüber sollten wir uns Gedanken machen, denn es wird Unfälle geben. Was passieren kann, wird passieren, wer haftet dann für den Schaden?“, so Janeciz.

20.10.2015
Von: Denise Riedlinger

Annette Mossel, Leiterin des Projekts SmartCopter, will einen robusteren Flug sowie die Kooperation mit anderen Fluggeräten erreichen, um Kollisionen zu vermeiden. (Foto: Tom Wagner)

V.l.n.r.: Marcus Hebein (APA), Michael Nentwich (ITA), Joachim J. Janezic, Vorstand des Instituts für Luftfahrtrecht (Graz), Annette Mossel, Projektleiterin des „Smart Copter“ Projekts an der TU Wien, Patrick Brandstätter, Geschäftsführer von Airborne Robotics