ITA-Konferenz: Für wen wird geforscht? Responsible Research und TA

Wie gehen die Medien mit dem Thema Fracking um? Ist eine ethische Debatte über Innovationen nicht auch gleichzeitig eine ständige Re-Evaluierung europäischer Grundrechte? Können ältere Menschen mit den eigens für ihre Bedürfnisse entwickelten neuen Technologien überhaupt umgehen?

Diese und andere Fragen wurden bei der vom ITA organisierten Konferenz „Responsible Innovation. Neue Impulse für die Technikfolgenabschätzung?“ von rund 150 internationalen ExpertInnen diskutiert.

Wenn der Sensor im Bad angeht

„Während eines Feldversuchs in Großbritannien haben wir erlebt, dass eine Frau von einem Sensor in ihrer Badezimmertür total verunsichert wurde. Der Sensor zeichnete auf, wie oft sie ins Badezimmer ging, die Daten wurden an uns weitergeleitet. Die Frau versicherte uns immer wieder, dass sie sauber war und sich genügend waschen würde“, so Geraldine Fitzpatrick. Die Professorin für Gestaltungs- und Wirkungsforschung und Leiterin der Human Computer Interaction Group an der TU Wien eröffnete die zweitägige Konferenz am 3. Juni an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Die größte Herausforderung sieht sie darin, soziale Interaktion durch technischen Fortschritt nicht zu hemmen, sondern mehr Austausch möglich zu machen.

Arm oder Reich – für wen wird geforscht?

Der RRI-Experte René von Schomberg (EU-Kommission, DG Forschung und Innovation) hielt in seiner Keynote ein Plädoyer für eine aktive Gestaltung von Innovationsprozessen, die sich nicht allein an Markterfolgen orientiert. „Dass Technologien verantwortungsvoll und unter Einbeziehung der BürgerInnen entwickelt werden sollen, diese Forderung gab es schon beim Thema Nanotechnologien. Die Frage, die wir uns stellen müssen, lautet: Welche Forschung soll gefördert werden? Wie können neue, teure Technologien auch den Ärmsten einer Gesellschaft zu Gute kommen?“

Für von Schomberg geht es darum, etwas Positives zu schaffen und nicht nur das Schlimmste zu verhindern. Dabei kommt der Technikfolgenabschätzung eine zentrale Rolle zu, weil sie durch ihre Erfahrung in Sachen Foresight und Partizipation rechtzeitig steuernd wirken kann.

RRI – Das neue Allheilmittel der EU-Politik?

Wissenschaftliche Forschung soll also stärker zur Lösung drängender gesellschaftlicher Probleme beitragen und die Öffentlichkeit, also BürgerInnen und InteressensvertreterInnen, daran beteiligen. Nicht allein kommerzielle und technische, auch ethische und gesellschaftliche Aspekte sollen in Innovationsprozessen berücksichtigt werden. Wie wird dieses ehrgeizige Ziel in der Praxis umgesetzt?

Für Alexander Bogner, Techniksoziologe am ITA und Ko-Organisator der Konferenz, hat möglicherweise die Politik das letzte Wort: „Responsible Innovation wird ein wenig wie das neue Allheilmittel der EU-Forschungspolitik gehandelt. Anstatt einzelne Technologien ethisch zu beurteilen, wird Innovation im Ganzen als etwas Ethisches diskutiert. Das ist an sich gut, wir dürfen dabei aber nicht übersehen, dass im Zuge dieser Ethisierung durchaus auch gegensätzliche Werthaltungen in die Beurteilung integriert werden können. Solche Patt-Situationen hat dann die Politik aufzulösen“.

Wie lässt sich Innovation steuern

Im Rahmen der Konferenz wurden unter anderem auch EU-Projekte vorgestellt, die sich konkret mit dem Thema RRI befassen. Auf der abschließenden Podiumsdiskussion ging es darum, ob Innovation tatsächlich gesteuert werden kann, und wenn ja, auf welche Weise. Die TeilnehmerInnen, Petra Ahrweiler (Europäische Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler), Thomas Jakl (Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft), Regine Kollek (BIOGUM/Universität Hamburg) und Peter Skalicky (Rat für Forschung und Technologieentwicklung) nahmen dazu aus Perspektive der TA, der Verwaltung und Forschungspolitik Stellung.

Die Präsentationen der Konferenz können Sie hier mit dem "Vortrag"-Link neben dem jeweiligen Titel abrufen.

Weiterführende Links

News-Meldung und Fotogalerie: „Wir feierten 20 Jahre ITA
Konferenz-Abstracts und weitere Informationen

18.06.2014
Von: Denise Riedlinger

Responsible Research (RRI) soll dabei helfen, Strategien für eine sozial verträgliche Forschungspolitik zu entwerfen. (Foto: Jaro Sterbik-Lamina/ITA)