TA '08 - NTA3

Technology Governance – Der Beitrag der Technikfolgenabschätzung

NTA3 – Dritte Konferenz des "Netzwerks TA" & TA´08 – Achte österreichische TA-Konferenz des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung (ITA), 28.-30. Mai 2008, Wien

 

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Nach der NTA1 in Berlin im November 2004 und der NTA2 im November 2006, wiederum in Berlin, fand die NTA3 vom 28.-30.5.2008 in Wien statt.

Hintergrund

Die gesellschaftliche Gestaltung des technischen Wandels, die optimale Nutzung von Innovationspotenzialen und der verantwortungsbewusste Umgang mit Risiken bedürfen zum einen der fundierten Erforschung möglicher Technikfolgen. Benötigt wird auch Wissen darüber, welche Akteure, in welcher Weise und mit welchen Mitteln die Prozesse der Technikentwicklung, der Diffusion und der Nutzung beeinflussen können. Die unterschiedlichen Vorstellungen über die Möglichkeiten und Formen des Einwirkens spiegeln sich in den Begriffen Evolution, Gestaltung und Steuerung wider - sie sind gleichzeitig zentrale Themen der "Technology Governance". Im Kern geht es dabei um das Zusammenwirken von Unternehmen, Wissenschaft, Staat und Zivilgesellschaft zur Entwicklung und Nutzung von Technik. Insofern Technikfolgenabschätzung zur Gestaltung des technischen Wandels beitragen will, muss sie sich auch mit Formen und Erfolgsbedingungen der Technology Governance auseinandersetzen - und zwar in theoretischer wie praktischer Hinsicht. Verschiedene Wissenschaftsdisziplinen bieten dazu theoretische Steuerungsansätze an und in einer Fülle von Technologiebereichen haben sich praktische TA-Erfahrungen angesammelt, die es zu nutzen gilt.

Eine Reflexion von Voraussetzungen und Reichweite der TA aus einer Governance-Perspektive wird durch den Wandel gesellschaftlicher Rahmenbedingungen in mehrfacher Hinsicht nahegelegt. Fortschreitende Globalisierung und Entwicklung zur sog. Wissensgesellschaft weisen der Technologiepolitik eine zentrale Position innerhalb staatlichen Handelns zu. Gleichzeitig wird dieser die Doppelaufgabe abverlangt, Innovation und technischen Wandel zu fördern, aber unerwünschte Nebenfolgen zu vermeiden. So sehr diese Konstellation den Bedarf an folgenorientierter Wissensgenerierung und damit an TA bestärkt, so sehr muss sich TA der geeigneten Ausrichtung und Ausstattung für erfolgreiche Problemlösung unter gewandelten Rahmenbedingungen versichern. Zu diesen zählt zuvorderst der Wandel der Innovationssysteme und Grundlagen der Technikentwicklung. Neben einer zunehmenden Verschränkung von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gehören dazu etwa die enorme Beschleunigung von Innovationsprozessen bzw. Verkürzung von Innovationszyklen, die Ausweitung von Akteuren und strategischen Orten des Innovationsgeschehens einschließlich neuer Formen netzwerkartiger Kooperationsbeziehungen, ferner die Auflösung linearer Forschungs- und Entwicklungsprozesse, das Verschwimmen der Grenzen zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung bzw. technischer Entwicklung sowie nicht zuletzt auch ein gestiegenes Interesse der Öffentlichkeit an Technologieentscheidungen. Diese Veränderungen werden oft als steigende Komplexität und Kontrollverlust interpretiert. Wie TA sich auf die neuen Herausforderungen einzustellen und einen möglichst effektiven Steuerungsbeitrag im Rahmen der Technology Governance zu leisten vermag, gilt es zu reflektieren.

Ziele der Konferenz

Das Ziel der Konferenz war die Stärkung der Konzeption und Praxis der TA jenseits von naivem Steuerungsoptimismus und vermeintlicher politischer Wirkungslosigkeit.

Dafür müssen die Rolle und das Potenzial von TA unter den oben skizzierten Rahmenbedingungen ausgeleuchtet sowie die praktische Wirksamkeit im Hinblick auf die Gestaltung technischen Wandels evaluiert werden. Direkte und indirekte Wirkungen sind dabei ebenso zu berücksichtigen wie die Rahmenbedingungen für gelingende Einflussnahmen in Richtung eines an Gemeinwohl und Nachhaltigkeit orientierten technischen Fortschritts.

Auf der Konferenz sollen unterschiedliche, teils sich widersprechende theoretische Konzepte zur Steuerbarkeit des technischen Wandels vorgestellt und anhand von empirischen/praktischen Befunden sowie Fallbeispielen aus verschiedenen Technologiefeldern und Anwendungskontexten diskutiert werden. Zur Debatte stehen u. a. technik- und sozialdeterministische Konzepte, ko-evolutionäre Ansätze, Regulierungs- und Governance-Modelle sowie Konzepte zur Steuerung komplexer Systeme.

Bei der Betrachtung von gesellschaftlichen Gestaltungs- und Steuerungsversuchen sowie des spezifischen Beitrags der TA gilt es Technologiefelder in unterschiedlichen Entwicklungsstufen und Problemfelder unterschiedlicher Komplexität zu berücksichtigen. Damit verbunden ist die Annahme, dass sich in gesellschaftlich bereits fest verankerten Technologiebereichen (z. B. Verkehrs- und Energiesysteme) andere Gestaltungsbedingungen eröffnen als in sehr jungen bzw. zukünftigen Technologiebereichen (z. B. Nanotechnologie) oder bei besonders komplexen Themen von globaler Dimension und langfristigen Zeithorizonten (z. B. Klimawandel). Daran schließt sich unmittelbar die Frage an, wie sich die für diese Technologiefelder und Problemtypen eingesetzten TA-Konzepte unterscheiden. Um einer Klärung näher zu kommen, sind Erfahrungen aus möglichst vielen Technologiefeldern und Formen von TA-Projekten einzufangen und entsprechend der Zielsetzungen der Konferenz zu analysieren.

Fragestellungen

Vor dem oben skizzierten Hintergrund wurde auf der Konferenz sowohl theoretisch wie empirisch an Hand konkreter Beispiele folgenden Fragestellungen nachgegangen:

  • Wie gestaltet sich das Zusammenspiel der zentralen Akteure der Technology Governance (Staat, Unternehmen, Wissenschaft, Zivilgesellschaft) bei verschiedenen Technikprojekten? Inwieweit lassen sich gemeinsame Gestaltungs- und Steuerungsziele definieren?
  • Wie reagiert TA auf die steigende Komplexität bzw. Fragmentierung von Innovationssystemen?
  • Welche Chancen und Grenzen ergeben sich aus Governance-Modellen für unterschiedliche Ansätze der TA und unterschiedliche Anwendungskontexte?
  • Wie unterscheiden sich Gestaltungsstrategien für etablierte Techniken (z. B. Energie, Verkehr) von solchen für zukünftige Technologien (z. B. Nanotechnologie)?
  • Welche Rolle spielt TA bei der Beeinflussung des technologischen Wandels und wie ist die konkrete Rolle zu bewerten? Welchen Impact kann TA haben, mit welchen Mitteln kann ein solcher erreicht werden und welche Methoden zur Messung der Wirksamkeit von TA im politischen Prozess kommen zum Einsatz? Inwieweit lassen sich direkte und indirekte Steuerungswirkungen erfassen und verbessern?
  • Auf welcher Ebene, unter welchen institutionellen Rahmenbedingungen, über welche Einflusskanäle und durch welche Akteurskonstellationen bestehen für konkrete TA-Projekte Chancen, auf technischen Wandel einzuwirken?
  • Inwieweit bzw. unter welchen Bedingungen werden TA-Ansätze und TA-Ergebnisse bei Technikprojekten von Unternehmen und in netzwerkartigen Strukturen aufgegriffen und gestaltungswirksam?
  • Welche direkten und indirekten Wirkungen von TA-Projekten lassen sich im Rahmen von Technology Governance festmachen? Wo gibt es Erfolgsbeispiele, wo gescheiterte Versuche, den technischen Wandel zu beeinflussen?
  • Wie verhalten sich methodisch und institutionell unterschiedliche TA-Konzepte (z. B. partizipative TA, Constructive TA, parlamentarische TA) in verschiedenen Anwendungskontexten zu einzelnen Steuerungsansätzen?

AdressatInnen

Das Netzwerk TA und das ITA als Ko-Veranstalter möchten mit diesem Konferenzthema einen breiten interdisziplinären TeilnehmerInnenkreis ansprechen (Sozial-, Wirtschafts-, Geistes- und Kulturwissenschaften ebenso wie Natur- und Ingenieurwissenschaften). Als ReferentInnen und TeilnehmerInnen dieser Konferenz sind somit WissenschafterInnen und PraktikerInnen aus folgenden Bereichen angesprochen: Technikfolgenabschätzung und angrenzende Felder wie Innovations- und Technikforschung; Politik und Wirtschaft; Technikentwicklung; Zivilgesellschaft (z. B. Nichtregierungsorganisationen).

Die Konferenz hat sich auch die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zum Ziel gesetzt und führt deshalb eine Postersession mit jungen WissenschafterInnen (DiplomandInnen, DoktorandInnen) durch, die vorzugsweise zum Thema der Konferenz oder auch zu einem anderen TA-Thema arbeiten.

Das Netzwerk TA strebt die projektförmige Nachwuchsförderung mit entsprechender Drittmittelunterstützung an. In diesem Projekt ist die Teilnahme der Kandidatinnen und Kandidaten an den Konferenzen des NTA und somit auch an der NTA3 vorgesehen (mit Übernahme der Reisekosten). Über die Möglichkeiten der Teilnahme an diesem Projekt informiert das NTA rechtzeitig über seine Email-Liste.

Die Veranstalter

Das Netzwerk TA ist ein Zusammenschluss von WissenschafterInnen und ExpertInnen im Themenfeld "Technikfolgenabschätzung". Das Netzwerk dient dem Ziel, Informationen auszutauschen, gemeinsame Forschungs- und Beratungsaufgaben zu identifizieren, methodische Entwicklungen zu initiieren und zu begleiten sowie den Stellenwert der TA in Wissenschaft und Gesellschaft auszubauen. Gleichzeitig dient das Netzwerk als Plattform für gemeinsame Kooperationen und Aktionen. Die Adresse des "Netzwerk TA" im Web lautet www.netzwerk-ta.net.

Das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) ist ein interdisziplinäres Forschungsinstitut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Gründungsmitglied des Netzwerks TA, das technischen Wandel im Hinblick auf gesellschaftliche Bedingungen, Gestaltungsoptionen und Auswirkungen untersucht und anwendungs- und grundlagenorientierten TA betreibt.

 

VORTRÄGE:


Keynote 1: Globalisierungsgestaltung und Technology Governance: Hinweise zu einigen großen Herausforderungen (Abstract)
Franz Josef RADERMACHER (Universität Ulm)

Keynote 2: TA und die Governance technologischer Innovation (Abstract)
Stefan KUHLMANN (University of Twente)

Steuerung und Koordination im Verständnis von Governance (Abstract)
Stephan BRÖCHLER

Partizipative TA (Abstract)
Martin MEISTER (statt Hans-Liudger DIENEL)

Parlamentarische Technikfolgenabschätzung (Abstract)
Armin GRUNWALD

Rationale TA. Ein deliberativer Ansatz der Europäischen Akademie (Abstract)
Stephan LINGNER

Von der Technikbewertung zur Innovations- und Technikanalyse (Abstract)
Norbert MALANOWSKI

Science and Technology Governance durch antizipierende Gestaltung. Prospektive TA im Vergleich mit anderen TA-Konzepten (Abstract)
Wolfgang LIEBERT, Jan C. SCHMIDT

„Anticipatory Governance“ von Technisierungsprozessen: Möglichkeiten und Grenzen am Beispiel von Enhancement-Technologien (Abstract)
Peter WEHLING

Zivilgesellschaftlicher Einfluss auf Technikgestaltung durch „Partizipation“? (Abstract)
Fritz GLOEDE

Risikobewertung als großes Gespräch: Zur Mikro-Analyse der Interaktionen einer Verbraucherkonferenz zur Nanotechnologie (Abstract)
Alexander GÖRSDORF

Biomedical research governance – Interaktionsdynamiken zwischen Entscheidern und Beratern im Kontext ethischer Regulierung (Abstract)
Alexander BOGNER

Technology governance – governance technology. Mikrostrukturen der Innovationsgestaltung und ihre subjektivierenden Effekte (Abstract)
Barbara SUTTER

Von der Politik zur ‚Governance’: Zur Rekonstruktion gesellschaftlichen Wandels auf der Ebene der Mikrostrukturen sozialer Wirklichkeit (Abstract)
Peter MÜNTE, Olaf BEHREND, Mirjam MÖLLMANN

Wissenschaftliche Beratung in der „Technology Governance“ als professionelle Dienstleistung? (Abstract)
Kai BUCHHOLZ

Evidenzbewertung von Gesundheitsrisiken synthetischer Nanopartikel - Ein neues Verfahren für die Unterstützung von Governance-Prozessen in der Nanotechnologie? (Abstract)
Torsten FLEISCHER, Peter HOCKE, Hans KASTENHOLZ, Harald F. KRUG, Christiane QUENDT & Albena SPANGENBERG

Governance von Nanotechnologie – Das österreichische Projekt NanoTrust als Beispiel (Abstract)
Ulrich FIEDELER, Myrtill SIMKÓ, André GAZSÓ

Gestaltungsspielräume im Wissenschaftsalltag - Die Transferpraxis von Materialforschern in der öffentlichen Forschung (Abstract)
Anna SCHLEISIEK, Klaus-Rainer BRÄUTIGAM, Torsten FLEISCHER, Peter HOCKE

Technology Governance durch Lernen und Evolution? Zur Rolle von TA als Irritator (Abstract)
Janina SCHIRMER, Marc MÖLDERS

Technikfolgenabschätzung als kritische Theorie? (Abstract)
Stefan BÖSCHEN

Assessing the next (but one) game in town
oder warum TA die Technikentwicklung manchmal überholt (Abstract)
Helge TORGERSEN

The Governance of Information Privacy (Abstract)
Susanne GIESECKE, Joachim KLERX, Thomas LÄNGER

One Laptop per Child – Überlegungen zum entwicklungspolitischen Anspruch einer technischen Innovation und ihrer Governance (Abstract)
Ulrich RIEHM

Auf der Suche nach nachhaltigen Anwendungsformen der Brennstoffzellentechnologie auf kommunaler Ebene: Erfahrungen mit Constructive Technology Assessment (CTA) (Abstract)
Michael ORNETZEDER, Anna SCHREUER, Harald ROHRACHER

Arbiträre Politik und Technology Governance. Das Problem der Pflanzentreibstoffe (Abstract)
Stephan ALBRECHT, Markus SCHORLING

Bewertung von Gesundheitsrisiken nach der ExternE-/HEATCO-Methodik – Anwendung und Einfluss auf die Beurteilung zukünftiger Verkehrsprojekte (Abstract)
Alexander GRESSMANN

Technikfolgenabschätzung als Teil eines Forschungsnetzwerkes im Bereich der Grünen Gentechnik (Abstract)
Mathias BOYSEN

Völkerrechtliche, Europarechtliche und Staatsrechtliche Rahmenbedingungen der „grünen“ Gentechnik in Europa und deren Stellenwert für das Konzept der Technology Governance (Abstract)
Yvonne SCHMIDT