Ernst Braun 1925-2015

Der Begründer der österreichischen Technikfolgenabschätzung verstarb am 3. März knapp vor seinem 90. Geburtstag.

Das ITA trauert um seinen Begründer, Mentor und Freund. Ernst Braun gilt als einer der ersten, die sich in Europa mit Technikfolgenabschätzung beschäftigten, und führte TA Mitte der 1980er-Jahre auch in Österreich ein: Er startete mit einer kleinen Arbeitsgruppe für Technikbewertung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), die wenig später in eine eigenständige Forschungsstelle umgewandelt wurde.

Seinen ersten MitarbeiterInnen, von denen einige noch heute am Institut arbeiten, vermittelte er die Grundgedanken der TA. Ihm war bewusst, wie sehr die gesellschaftliche Entwicklung in Zukunft mit der Technikentwicklung verbunden sein würde. Umso wichtiger erschien es ihm, mit TA Brücken zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zu schlagen. Das Institut verdankt ihm nicht nur seine Existenz, sondern auch seine grundsätzliche Ausrichtung. Er hat uns bis zuletzt wohlwollend begleitet und mit seinem Rat unterstützt. Den 20. Geburtstag des ITA feierte er noch im Juni letzten Jahres mit uns.

Von Brünn über Birmingham nach Wien

Ernst Braun wurde am 9. März 1925 in Wien als tschechoslowakischer Staatsbürger geboren und wuchs in der Nähe von Brünn auf. Er studierte in Prag Physik, promovierte in Festkörperphysik in Bristol und wurde britischer Staatsbürger. Er verwendete danach die englische Fassung seines Vornamens, Ernest. Zunächst forschte er in der Industrie, schlug dann aber die akademische Laufbahn ein. 1967 erhielt Braun einen Ruf als Professor für Physik an die Aston University in Birmingham. Dort begann er 1973 zu Technologiepolitik und, in der Folge, auch Technikfolgenabschätzung zu forschen. Gemeinsam mit Bill Williams und Michael Gibbons etablierte er eine interuniversitäre Forscher- und Lehrergruppe unter dem Namen “Science in a Social Context” (SISCON).

Nach seiner Emeritierung an der Aston University 1984 kehrte Braun nach Österreich zurück und wurde Gastprofessor an der TU Wien und an der Universität Wien. Die in Großbritannien erworbenen Erfahrungen setzte er auch hier erfolgreich um und leitete an der ÖAW zunächst eine Arbeitsgruppe Technikbewertung und ab 1988 die neu gegründete Forschungsstelle für Technikbewertung (FTB). Aus der FTB ging später das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) hervor. 1991 ging Braun erneut nach England und war noch vor seiner definitiven Pensionierung für einige Jahre Gastprofessor an der Open University in Milton Keynes.

Er schrieb im Laufe seines fruchtbaren akademischen Lebens zahlreiche Artikel und etliche Bücher. Zu seinen bekanntesten Publikationen zählen „Futile Progress“ (1995) und „Technology in Context“ (1998). Sein letztes Buch erschien erst im Sommer 2010: „From Need to Greed. The Changing Role of Technology in Society“.

Braun lebte zuletzt in Bruckneudorf nahe Wien, er verstarb dort am 3. März an einer Lungenentzündung. Er war mit der Wiener Malerin Doris Braun (geb. Luttenberger) verheiratet, seine beiden Töchter leben in Großbritannien.

04.03.2015
Von: Michael Nentwich

Ernst Braun war Pionier der Sozialforschung im Bereich Wissenschaft und Technologie. Dieses Bild wurde an seinem 88. Geburtstag aufgenommen. (Foto: Michael Nentwich)