POCO

Das postgenomische Zeitalter – wie ändert sich die Gentechnikdebatte im Lichte zunehmender Komplexität?

Die Genomforschung liefert komplexe und oft widersprüchliche Erkenntnisse. Nicht nur NaturwissenschaftlerInnen, sondern auch Ärzte/innen, LehrerInnen oder JournalistInnen müssen mit neuen Konzepten darüber zurechtkommen, was ein Gen ist.

Konkrete Aussagen darüber, was als Gen zu gelten hat, sind komplexer als angenommen. Die Vielschichtigkeit des Themas überraschte selbst Fachleute, und verwirrte Außenstehende umso mehr. Wie und ob konzeptuellen Neuerungen außerhalb der Naturwissenschaften überhaupt wahrgenommen werden, und mit welchen Strategien versucht wird das Thema zu verstehen, wurde im Projekt POCO (Das post-genomische Zeitalter: Wie verändert die zunehmende Komplexität die Debatte über die Genetik?) untersucht. Sieben Teilprojekte beleuchten

  • paradigmatische Änderungen durch Genomics in den Naturwissenschaften,
  • neue Herausforderungen für die Wissenschafts- und Technikforschung und Feministische Studien in den Sozialwissenschaften,
  • das Verhältnis zwischen Arzt und Patient,
  • die Wahrnehmung von Komplexität unter Stakeholdern,
  • die öffentliche Wahrnehmung von komplexen Technologien,
  • den Schutz der genetischen Privatsphäre und
  • die Politikberatung.

Das ITA koordinierte das Projekt und steuerte Untersuchungen zu den Naturwissenschaften, zur genetischen Privatsphäre und zur Politikberatung bei.

Die Ergebnisse zeigten u.a., dass das Thema oft noch gar nicht angekommen war. So spielten Ergebnisse der Genomforschung für Ärzte gegenüber ihren Patienten kaum eine Rolle. In vielen Bereichen außerhalb der Medizin erschien bereits die herkömmliche Genetik so komplex, dass die Beschäftigung als nicht der Mühe wert befunden wurde.

Während in den Naturwissenschaften heute unterschiedliche Interpretationen akzeptiert sind, ist das Verständnis eines Gens als DNA-Stück, das eine ganz bestimmte Eigenschaft eindeutig determiniert, in weiten Teilen der Öffentlichkeit und auch der Sozialwissenschaft fest verankert. Meldungen über die Entdeckung des „Gens für“ dies oder jenes bestärken diese Vorstellung. Was ein Gen „in Wirklichkeit“ ist, ist für die meisten Nicht-Fachleute eher belanglos. Das Interesse richtet sich in erster Linie auf Nutzen, Risiken oder moralische Folgen von Forschungsergebnissen.

Eine wirklichkeitsbezogene Kommunikation über Forschungsresultate kann vielen falschen Vorstellungen vorbeugen. Stichwort Datenschutz: Die Meinung, dass Gensequenzen Aussagen über Personen erlauben ist weiter vorherrschend. So einfach ist das Thema eben nicht - es braucht daher eine realistischere Kommunikation, in der nicht nur die ungeahnten Möglichkeiten neuer Technologien, sondern auch die Begrenztheit der Aussagekraft thematisiert wird.

Laufzeit
11/2003 - 11/2006