Wohin mit dem Nano-Müll

Von der leicht aufzutragenden Sonnencreme bis hin zur neuen Lackierung fürs Auto – Nanomaterialien werden in hunderten von im Handel erhältlichen Produkten eingesetzt. Was aber geschieht, wenn Stoffe wie Nanosilber als Asche oder Staub auf Mülldeponien landen?

Die beiden ITA-ForscherInnen André Gazsó und Daniela Fuchs vom ITA haben sich im Projekt NanoMia mit dem Umgang von Nanomaterialien im Abfall beschäftigt. Gemeinsam mit dem Institut für Abfallwirtschaft der BOKU wurden sechs Produkte auf ihrem Entsorgungsweg  begleitet. Zuvor wurde eine Bestandsaufnahme aller in Österreich erhältlichen Konsumprodukte gemacht. Fazit: Wie sich Nanomaterialien auf Deponien oder beim Recycling verhalten, und wie Nanopartikel in Luft und Boden gelangen können muss noch eingehend erforscht werden.

Ist da Nano drin?

Wo und in welcher Menge Nanomaterialien tatsächlich in Produkten – und damit in weiterer Folge auch im Restmüll oder im Recycling-Prozess –  vorhanden sind, ist oft nicht eindeutig erkennbar. Eine offizielle Kennzeichnungspflicht existiert EU-weit nur für Kosmetika und Biozide. „Unsere Szenarien haben wir daher mit Produkten erstellt, von denen wir aufgrund der Kennzeichnung oder der Herstellerangaben wussten, dass sie Nanomaterialien enthalten. Dazu gehören Nanotitan-Dioxid in Sonnencremes oder Nanosilber in Wandfarben“, berichtet Fuchs.

Regelungen in Österreich mangelhaft

Der Austausch zwischen NaturwissenschafterInnen und VertreterInnen aus mehreren Ministerien war wichtiger Bestandteil des Projekts: Gemeinsam wurde über den Umgang mit Nanomaterialien in der Entsorgung diskutiert. Eine Schwierigkeit sind z.B. bestehende Grenzwerte. Diese sind nicht auf Größe sondern auf Masse ausgelegt. „Nanopartikel sind aber viel kleiner und daher auch leichter – es könnten damit größere Mengen den Grenzwert passieren als es mit größeren Partikeln desselben Stoffs möglich wäre“, meint Fuchs. Das kann unter Umständen problematisch sein, da Nanopartikel aufgrund ihrer geringen Größe auch anders reagieren:  Bestimmte Bakterien interagieren etwa vor allem mit Nanosilberpartikeln.

„Generalverdacht“ für Nanomaterialien vermeiden

„Am ITA forschen wir seit einem Jahrzehnt zum Einsatz von Nanomaterialien in Österreich und stehen in ständigem Austausch mit den Ministerien“, betont Projektleiter André Gazsó. „Der Kern unserer Arbeit besteht darin, vorsorglich mögliche Risiken abschätzen zu können. Derzeit besteht aber kein Anlass anzunehmen, dass Nanopartikel größere Schäden verursachen als andere Problemstoffe.“ Für Gazsó braucht es vor allem einen besseren Überblick: „Wir müssen Möglichkeiten entwickeln, um Nanomaterialien in Abfallströmen genauer bestimmen zu können.“ Derzeit finden Nanomaterialien hauptsächlich über Bauschutt oder Klärschlamm ihren Weg in die Umwelt. 

Hauptergebnis dieses einjährigen Projekts, das im Rahmen des Nano-EHS Programms des Österreichischen Umweltministeriums durchgeführt wurde, ist die Erstellung von Szenarien, die die Gegebenheiten der österreichischen Abfallwirtschaft berücksichtigen. Die neuesten Erkenntnisse gibt es in Form von vier Kurzberichten hier zum Nachlesen.

Links

„Nano-Abfall“ – Produkte mit Nanomaterialien am Ende ihres Lebenszyklus
Nanomaterialien in der Entsorgungsphase – Filteranlagen  – Freisetzung in die Umwelt

Nano-Konsumprodukte in Österreich
Bestandsaufnahme von Nanoprodukten am österreichischen Markt

Umweltrelevante Aspekte von Nanomaterialien Teil 1: Abwässer und Klärschlamm
Synthetisch hergestellte Nanomaterialien in Abwassersystemen – Was passiert während der Abwasserreinigung

Umweltrelevante Aspekte von Nanomaterialien Teil 2: Abfallverwertung und Entsorgung
Wie verhalten sich synthetisch hergestellte Nanomaterialien bei der Müllverbrennung, auf Deponien und während des Recyclings?

03.06.2015
Foto: „Klaerwerk Buelk nahe Kiel“ Louis-F. Stahl/Wikimedia Commons. CC BY-SA 3.0

Nanomaterialien können auf vielen Wegen in den Abfallstrom gelangen. Der Großteil von Sonnencremes gelangt etwa nicht ins Badewasser sondern in die Kanalisation. In Kläranlagen werden Nanomaterialien erst dann zu Abfall, wenn sie als Bestandteil von festen Abfällen aufbereitet und als Klärschlamm ausgeschieden worden sind. (Foto: Louis F. Stahl/Wiki Commons CC BY 3.0)