Wenn unsere digitale Welt stillsteht

Das Auto, das Kraftwerk, die Bank - alles ist vernetzt, und damit angreifbar. Was bedeutet der Ausfall wichtiger technischer Abläufe für unsere Gesellschaft?

Wir leben in einer vernetzten Welt. Das hat viele Vorteile: Wir können zu jeder Zeit mit Menschen auf der ganzen Welt Kontakt aufnehmen. Bei einem Autounfall wird unser Standort sofort an die Einsatzkräfte weitergegeben. Doch was passiert, wenn es jemandem von außen gelingt, auf die Steuerung unseres Autos zuzugreifen? Was tun, wenn jemand ein Kraftwerk hackt? Die "kritischen Infrastrukturen", die uns umgeben, sind verwundbar. Sind wir ausreichend geschützt?

Das neue ITA-Dossier fragt: "Wie verwundbar sind kritische Infrastrukturen?"

Der Begriff "Kritische Infrastrukturen" (KRITIS) umfasst alle Infrastrukturen, die dazu beitragen, dass unsere moderne Gesellschaft funktionieren kann. KRITIS finden sich etwa bei der Lebensmittel- und Energieversorgung, bei Transport und Verkehr, in der Telekommunikation oder im Finanz- und im Gesundheitswesen. Also: quasi überall. Beeinträchtigungen oder Ausfälle in diesen wesentlichen Bereichen können enorme Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Handlungsfähigkeit eines Staates und nicht zuletzt unser soziales Wohlergehen haben.

Das Risiko der Abhängigkeit

Jaro Krieger-Lamina und Stefan Strauß vom ITA haben in der von der Akademie der Wissenschaften in Auftrag gegebenen Studie "Digitaler Stillstand" untersucht, was notwendig wäre um Österreich vor breit angelegten Systemausfällen zu schützen. "Zuerst einmal braucht es mehr Bewusstsein für die Grundproblematik: Digitalisierung bringt die wechselseitige Abhängigkeit verschiedener Systeme mit sich. Das gilt für jedes vernetzte System  - von der smarten Entertainment-Konsole bis zu satellitenbasierten Steuerungskomponenten im Stromnetz", betont Strauß. Die vielfältigen Gefahren entstehen nicht nur durch terroristische oder cyber-kriminelle Aktivitäten. "Auch scheinbar Banales wie Umwelteinflüsse oder technisches Versagen sind häufige Ursachen für Systemausfälle". 

Den Überblick zu behalten wird selbst für Fachleute immer schwieriger, je komplexer die Technologien werden, die uns umgeben. "Wenn wir nicht mehr nachverfolgen können, wie einzelne Bestandteile eines Systems einander beeinflussen, können wir das System auch nicht adäquat schützen", meint Jaro Krieger-Lamina. Ein drastisches Beispiel dafür sind Atomkraftwerke, deren Steuerung per Internet erreichbar ist. 

Was tun?

Strauß und Krieger-Lamina weisen darauf hin, dass die Problematik von System-Abhängigkeiten bislang unterschätzt ist. "Kritische Infrastrukturen müssen systematisch auf Schwachstellen analysiert werden, um auch nicht sofort offensichtliche System-Abhängigkeiten zu erkennen und abzusichern", so Strauß. "Es ist auch wichtig, dass wir selbst bei großen Ausfällen weiter kommunizieren können, um Krisen bewältigen zu können. Dazu braucht es Kommunikationswege, die unabhängig vom betroffenen System weiter funktionieren", meint Krieger-Lamina. 

Mehr zur Studie und Hintergrundinformationen zu KRITIS finden sich im neuen ITA-Dossier: "Wie verwundbar sind kritische Infrastrukturen?" 

Links

ITA-Projektseite: Digitaler Stillstand
ITA-Dossier: "Wie verwundbar sind kritische Infrastrukturen?"

27.03.2018
Von: Denise Riedlinger

Auch bei Systemzusammenbrüchen muss die Kommunikation unabhängig von digitalen Systemen weiter funktionieren. Dazu braucht es vorausschauende Maßnahmen. (Foto: Alexandra_München/Pixabay, CC0)