Nano-Sicherheit

Neue gesetzliche Regelungen für Produkte, die Nanomaterialien enthalten, stellen Regulierungsbehörden vor neue Herausforderungen. Besonders wichtig wird diese Frage bei Themen wie Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz.

Wie kann aber das Risiko für ein im Handel angebotenes Produkt realistisch abgeschätzt werden, wenn die Gefährdungspotenziale noch nicht restlos abgeklärt sind und konkrete, praxisorientierte Informationen als notwendige Entscheidungsgrundlage fehlen?

Guter Rat gefragt

Im Rahmen des ITA-Projekts NanoTrust wurden in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) die wichtigsten Fragen zum Thema Nanomaterialien gesammelt und in Form eines Fragebogens an ausgewählte nationale und internationale ExpertInnen geschickt. Die beiden Kernpunkte: Gibt es ausreichend Methoden zum Nachweis von synthetischen Nanomaterialien und zur Überprüfung der Einhaltung bestehender und geplanter gesetzlicher Regelungen, und sind diese breit anwendbar? Wie kann das Thema Sicherheit richtig an VerbraucherInnen weiter kommuniziert werden, wenn der Forschungsstand dazu derzeit noch sehr lückenhaft ist?

Breite Anwendung nicht vor 2015

Die Ergebnisse der Befragung wurden am 23. März 2012 im Rahmen einer ganztägigen Veranstaltung diskutiert. Es zeigte sich, dass es zwar bereits Analysemethoden gibt. Für komplexe Medien, wie z. B. Cremen, sind sie aber zu aufwändig, teuer und problembehaftet. Schon die Auswahl der geeigneten Verfahren ist oft schwierig. Bestehende Methoden müssen erst adaptiert bzw. weiter entwickelt werden, um Nanomaterialien in komplexen Medien nachweisen zu können. Dies umfasst die Festlegung von Standards, die Optimierung der notwendigen Geräte, die Definition und Verfügbarkeit von Referenzmaterial und nicht zuletzt die spezifische Ausbildung von Fachleuten. All das braucht Zeit und Geld – mit einer breiten Anwendung ist daher vor 2015 nicht zu rechnen.

Unabhängiges Gremium als Schnittstelle

Bemerkenswert ist auch, dass der Informationsaustausch zwischen Behörden und ProduzentInnen kaum vorhanden ist. Strukturierte, für den Vollzug geeignete Information schaffen es selten vom Produzenten zu einem Regulierungsorgan. Eine Lösung dafür wäre ein weisungsfreies und unabhängiges Experten-Gremium, das als Schnittstelle zwischen Produzenten und Behörden agiert. NanoTrust könnte dazu als Modell dienen.

An dieser Diskussion teilgenommen haben ExpertInnen des österreichischen Gesundheitsministeriums (BMG), der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), des Instituts für Gesundheit und Verbraucherschutz des Europäischen Kommission (JRC-IHCP), das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).

Link

ITA-Projekt NanoTrust

Offizielle NanoTrust Website

13.06.2012
Von: André Gazsó, Sabine Greßler

Nanotechnologie verspricht neue Materialien und Produkte, etwa in der Medizin oder bei Kosmetik