Forschungspolitisch mitreden

Zwei neue ITA-Projekte bringen Stakeholder in den Bereichen Neuro-Enhancement und Synthetische Biologie zusammen.

Die EU-Kommission möchte mit dem Programm „Mobilisation and Mutual Learning" (MML) über mehrere Jahre hinweg die Meinungen verschiedener Stakeholder zu aktuellen technischen Entwicklungen hören. Das ITA ist an den beiden MML-Projekten NERRI und SYNENERGENE beteiligt: Bei SYNENERGENE werden 28 europäische Institutionen auf verschiedenen Wegen versuchen, die öffentliche Debatte über die bisher wenig diskutierte synthetische Biologie voran zu treiben. NERRI appelliert an die Forschung, die – nicht unproblematischen – gesellschaftlichen Folgen der Verbreitung sogenannter „Smart Drugs“ gemeinsam mit VertreterInnen aus Industrie und Gesellschaft zu betrachten.

Leistungssteigerung durch Gehirnstimulation

Neuro-Enhancement bedeutet die Steigerung der Aufnahmefähigkeit durch chemische Substanzen und andere Stimuli. Menschen in einer andauernden Wettbewerbs-Situation, StudentInnen oder MangerInnen etwa, gelten als besonders anfällig. Die hierfür verwendeten Substanzen wie z.B. Ritalin fallen unter das Suchtgift-Gesetz, und verursachen teils beträchtliche Nebenwirkungen.

Kann es in einem ethisch und rechtlich so umstrittenen Bereich überhaupt normative Rahmenbedingungen bzw. eine verantwortungsvolle Forschung geben? Im NERRI-Projekt sollen sich WissenschafterInnen, PolitikerInnen, VertreterInnen der Industrie sowie die breitere Öffentlichkeit dazu Gedanken machen und voneinander lernen. „In einigen Ländern Europas hat es bereits Diskussionen zu diesem Thema gegeben, in Österreich eher nicht. Wir brauchen daher einen öffentlichen Diskurs, um nicht von Entwicklungen überrascht zu werden, die uns vor vollendete Tatsachen stellen“, erklärt ITA-Projektleiter Helge Torgersen.

Wenig Interesse an künstlichem Leben

Die synthetische Biologie hat mit der spektakulären Ankündigung, Leben zu konstruieren, auf sich aufmerksam gemacht. Das öffentliche Interesse ist bislang jedoch gering. Das Projekt SYNENERGENE – koordiniert vom Karlsruher Institut für Technologie – ist der Versuch, die Meinung der Gesellschaft zu dem Thema zu hören und in die europäische Innovationspolitik einzubauen.

Der Dialog wird auf viele Arten gesucht, ob durch Ausstellungen, Film-Festivals oder Science Cafés. Ziel ist, das Bewusstsein für das Thema zu stärken. „BürgerInnenbeteiligung hat in den letzten Jahren etwas an Reputation verloren. Was, wenn die Politik reden will, aber keiner mitdiskutiert? Unsere Aufgabe bei SYNERGENE wird es daher sein zu analysieren, wie die verschiedenen Arten des Dialogs in der Praxis funktionieren. Denn wenn man bedenkt, dass synthetische Biologie den Anspruch stellt, lebende Organismen in der Zukunft herzustellen und wie Bauteile zu verwenden, dann ist es umso erstaunlicher, wie wenig immer noch über das Thema diskutiert wird“, so ITA-Projektleiter Alexander Bogner.

Links

NERRI-Projektseite
SYNENERGENE-Projektseite 
ITA-Themen: Synthetische Biologie, Partizipative Methoden

05.12.2013
Von: Denise Riedlinger

Bei schwierigen Fragen alle Standpunkte hören, das versucht das EU-Programm Mobilisation and Mutual Learning (Foto: nathanmac87 CC BY-NC-ND 2.0)