04.06.2020

Vorsorge als Mühlstein für die Innovation?

KI, Nano und Co: Neuer RECIPES Bericht beleuchtet Verhältnis von Innovation und Vorsorge

Was sind die besten Strategien, um mit den ungewissen Risiken der neuen Technologie umzugehen? Das Vorsorgeprinzip erlaubt es Entscheidungsträger*innen, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, auch wenn noch wissenschaftliche Unsicherheiten über die Auswirkungen neuer Technologien oder Produkte auf Umwelt und Gesundheit bestehen.

Dies wirft schwierige Fragen auf: Wo ziehen wir die Grenze zwischen ausreichendem Schutz und übermäßiger Vorsicht? Ist das Vorsorgeprinzip ein Hindernis für Fortschritt und Innovation oder eine geeignete Möglichkeit, Risiken zu managen und auf sicherere und nachhaltigere Alternativen zu drängen? Können Vorsorge und Innovation sich sogar gegenseitig verstärken?

Was es bringt

In einem aktuellen Bericht des internationalen Forschungsprojekts RECIPES wird "Die Wirkung des Vorsorgeprinzips in den Jahren von 2000 bis 2019" untersucht.  Der Bericht, herausgegeben von der Universität Maastricht, enthält sowohl eine Bestandsaufnahme der Art und Weise, wie das Vorsorgeprinzip angewandt wurde, als auch eine Reflexion über seine Vorteile und Grenzen. Die Ergebnisse des Berichts wurden in einem Policy Brief zusammengefasst.

In Ergänzung zu diesem Bericht analysieren die Konsortialpartner derzeit die Anwendung des Vorsorgeprinzips in neun Fallstudien in ausgewählten Politikbereichen. Das ITA ist für die Ausarbeitung der Fallstudie zum Thema Nanotechnologie zuständig.

Vorsorge bei Nanomaterialien

André Gazsò, Nano-Experte am ITA, meint dazu: „Nanomaterialien finden sich bereits in Textilien, neuen Kunststoffe, Leichtbauelementen im Automobilsektor, oder in der Oberflächenveredelung. Wir schauen uns Aspekte des Konsumentenschutzes ebenso an wie die Produktsicherheit oder Sicherheitsaspekte am Arbeitsplatz.“

Nanomaterialien sind für Gazsò ein ideales Beispiel: „Österreich und die EU sind hier von Anfang an bereit gewesen, Sicherheit und Nachhaltigkeit in Verbindung mit Innovation zu bringen. Österreich hat bereits 2010 einen Aktionsplan für den sicheren Umgang mit Nanomaterialien und Nanotechnologien formuliert, dessen Empfehlungen bis heute umgesetzt werden. So stellen wir sicher, dass trotz bestehender Ungewissheiten entsprechende Sicherheitsmaßnahmen gesetzt werden können. Dabei ist es essentiell,  Expert*innen aus allen wesentlichen Bereichen für die Beurteilung des möglichen Verhaltens von Nanomaterialien zu beteiligen.“ (DR)