20.01.2020

Ein kreativer Kopf verlässt das ITA

Keine Kontroverse war ihm fremd, seiner Forschungsarbeit mengte er stehts eine Prise Witz und Weisheit bei. Mit Helge Torgersen verabschiedet das ITA einen seiner bekanntesten und verdientesten Mitarbeiter.

Der Molekularbiologe Helge Torgersen ging nach 30 Jahren in der Technikfolgenabschätzung mit 31. Dezember 2019 in den Ruhestand. Er hinterlässt eine intellektuelle, aber auch eine persönliche Lücke. Wie kaum ein anderer hat er das Institut von Anfang an geprägt.

Helge zählte als Senior Scientist zu den ersten Mitarbeiter*innen der „Forschungsstelle für Technikbewertung“, aus der 1994 das ITA hervorgegangen ist. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann er an der Universität Salzburg, wo er 1980 mit einer Arbeit zu experimenteller Andrologie („Pille für den Mann") promovierte. Zwischen 1981 und 1990 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent an den Instituten für Molekularbiologie und für Biochemie der medizinischen Fakultät der Universität Wien in der Virenforschung tätig. Vor 30 Jahren konnte er vom Gründungsdirektor Ernst Braun für die Technikfolgenabschätzung gewonnen werden und ist ihr und der ÖAW bis heute treu geblieben.

Helge baute zunächst das Arbeitsfeld Biotechnologie auf, woraus sich später seine Beschäftigung mit Fragen der Governance von Technik-Kontroversen entwickelte. Sein Interesse galt dem Verhältnis von Technikentwicklung und gesellschaftlicher Wahrnehmung. Zuletzt widmete er sich vor allem gesellschaftlichen Aspekten der Synthetischen und Systembiologie sowie von Nanotechnologien. Die theoretische Beschäftigung mit dem Thema "TA und Normativität" in unserem internen Reflexionsprojekt führte zu zahlreichen spannenden Publikationen und rundete seine Arbeit ab.

Helges kritischer, immer kreativer und lösungsorientierter Geist und trockener Humor wird uns abgehen. Sein bemerkenswertes Allgemeinwissen und seine Sprachkompetenz fehlen schon in den allerersten Tagen ohne unseren Langzeitkollegen. Wir wünschen Helge alles Gute für die neue Lebensphase.

Von: Michael Nentwich