06.03.2020

5G und Gesundheit

Parlament erhält Studie zu aktuellem Sachstand

5G-Mobilfunk bietet eine noch schnellere Art der Datenübertragung auf unterschiedlichen Frequenzen. Die Technologie steht in Österreich erst am Anfang. Wie soll die Politik mit Gesundheitsbedenken umgehen?

Das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hat im Auftrag des Österreichischen Parlaments 24 Stellungnahmen von 14 anerkannten wissenschaftlichen Gremien ausgewertet.

Für Studienautorin Karen Kastenhofer (ITA) ergibt sich daraus „ein spannendes Mosaik aus Evidenz, Wissenslücken und kontroversen Einschätzungen. Genau da kommt die Technikfolgenabschätzung ins Spiel. Auf Basis unserer detaillierten Analyse geht es nun darum, einen transparenten und umsichtigen Prozess zu unterstützen“.

Das tatsächliche Risiko bleibt umstritten

Dabei gilt es zu bedenken, dass die möglichen Folgewirkungen von 5G derzeit noch kaum erforscht sind. 5G ist auch nicht gleich 5G: Die Technologie wird in mehreren Etappen eingeführt, wobei neue Anwendungsbereiche erschlossen, neue Frequenzbereiche genutzt und die Technologie ständig weiterentwickelt wird. Erst auf Basis konkreter Anwendungsszenarien, die bestimmen, wer, wie und wo welcher Mobilfunkstrahlung ausgesetzt sein wird, ist eine gesundheitliche Risikoabschätzung sinnvoll machbar.

Ein gemeinsamer Nenner über alle Expert*innengremien hinweg ist die Einschätzung, dass kurzfristige, akute Gesundheitseffekte für den etablierten Mobilfunk (also 3G und 4G) bei Einhaltung der Grenzwerte derzeit auszuschließen sind. Andere Fragen werden hingegen sehr unterschiedliche diskutiert – die Palette reicht von zellbiologischen Effekten über Schlafstörungen bis hin zu Krebs: Die Einstufung von Mobilfunkstrahlung als „möglicherweise krebserregend“ durch ein anerkanntes internationales Gremium (IARC) erfolgte 2011 und ist seither ebenso umstritten.

5G betrifft uns alle – reden wir darüber

Die Frage, was wir wissen, ist mindestens ebenso wichtig für den gesellschaftlich verantwortungsvollen Umgang mit dieser Technologie wie das Bewusstsein darüber, was wir noch nicht wissen. Es braucht Umsicht und robuste Rahmenbedingungen.

ITA-Leiter Michael Nentwich meint dazu: „Wir sind bereit, den 5G-Ausbau in Österreich aufmerksam zu begleiten. Ein wichtiger Schritt wurde durch das Parlament mit der Beauftragung dieser Studie gesetzt. Der öffentliche Diskurs sollte möglichst offen geführt werden, damit alle mit einbezogen werden, denn eines ist sicher: Diese Neuerung wird uns alle betreffen: die Wirtschaft, die Politik, die Verwaltung und unseren Arbeits- und Lebensalltag.“

Das ITA hat in Stellungnahmen von Expert*innen folgende Handlungsoptionen begleitend zu bestehenden Grenzwertsetzungen gefunden:

  1. Anwendung der Schutzprinzipien der „umsichtigen Vermeidung“, d.h. nur die niedrigste Belastung anzustreben
  2. Formulierung spezifischer Leitlinien für den Sendeanlagenbau, für das technische Design von Endgeräten, oder die Gestaltung der Grundversorgungsinfrastruktur
  3. Förderung unabhängiger, nationaler und internationaler Forschung in höchster Qualität zur Gewährleistung möglichst verlässlicher Ergebnisse
  4. Größere Klarheit und gezieltere Information zu den technischen Details aller geplanten Ausbaustufen, zu den tatsächlich erwartbaren Anwendungsbereichen, zu den technischen Geräten und Anlagen sowie dazu, in welcher Weise wer der Mobilfunkstrahlung ausgesetzt sein wird
  5. Neue Wege der Unsicherheits- und Risikoinformation vor dem Hintergrund einer nicht endgültig auflösbaren Unsicherheit, Widersprüchlichkeit und Kontroverse in der Fachwelt.
  6. Organisation und Moderation eines inter- und transdisziplinären Austausches aller beteiligten Akteure in Österreich
  7. Evaluierung derzeit in Österreich verfügbarer Instrumente für den Umgang mit Ungewissheit, Risiko und Interessenskonflikten in Hinblick auf Wirksamkeit, Unabhängigkeit und institutionelle Trennung

(DR)